Blacklisted: Lässt sich der Instagram-Algorithmus wirklich austricksen?

Ich weiß, ich weiß – es ist die leidige alte Leier: Instagram ist doof und wir Blogger fürchterlich arm dran  – bla bla bla.

Ich weiß, ich weiß – es ist die leidige alte Leier: Instagram ist doof und wir Blogger fürchterlich arm dran  – bla bla bla. Eigentlich hatte ich mir ganz fest vorgenommen mich nicht mehr so oft über den bösen, bösen Algorithmus zu ärgern, geschweige denn darüber zu schreiben. Aber seit einiger Zeit hat es mich mal wieder so hart erwischt, dass ich aktiv geworden bin und mich in die Untiefen des Netzes durch Foren, Blogbeiträge oder Artikel in Computer- und Medienfaschzeitschriften gewühlt habe. Denn jedes Mal wenn ich mich negativ über den Algorithmus, meine Reichweite oder Instagram im Allgemeinen äußere, bekomme ich binnen Sekunden unzählige Nachrichten von Leidensgenossinnen, denen es genauso geht. Es ist zwar schön zu wissen, dass man mit der derzeitigen Problematik nicht alleine ist, aber all die Girls, die ebenfalls unter einer konstant schrumpfenden Reichweite leiden, sind so kreative, fleißige und begabte Frauen, deren Bildsprache ich von ganzem Herzen bewundere, dass ich mich einfach frage: Wie zur Hölle kann das eigentlich angehen?

Wie zur Hölle kann das eigentlich angehen?

Für all diejenigen unter Euch, die Instagram als das verwenden, was es ursprünglich mal war: nämlich eine Bilder-App, die inspirieren und informieren soll, tut mir mein ständiges Genörgel übrigens sehr leid. Aber sobald man sich beruflich in irgendeiner Form von dieser App abhängig macht und tagtäglich aufs Neue versucht mit seinem Content möglichst viele Leute zu erreichen, kommt man um den Frust nicht mehr herum. Reichweite und Followerzahlen sinken, während gleichzeitig immer neue Accounts aus dem Boden schießen, die bei drei geposteten Bildern bereits mehr als 5.000 Follower haben.

Daran, dass durch den Algorithmus alles ein wenig mühsamer geworden ist und man nicht mehr nach Lust und Laune posten kann, sondern auf spezielle Zeiten, Hashtags oder die neusten No-Gos achtet muss, habe ich mich inzwischen gewöhnt. Aber es gibt Phasen (die endlos zu sein scheinen), in denen es einfach nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Wenn dein Bild nur noch 10% deiner üblichen Reichweite hat, selbst deine engsten Freunde und deine Familie deinen Content nicht mehr sehen (meine Schwiegermutter hat sich neulich gewundert, wieso ihr eigentlich meine Stories nicht mehr ganz vorne angezeigt werden) – dann kommt man irgendwie nicht umhin, den Verschwörungstheoretikern zu glauben: Instagram hat eine Blacklist. Und wer darauf landet, hat es ganz schön schwer wieder rauszukommen.

Instagram hat eine Blacklist. Und wer darauf landet, hat es ganz schön schwer wieder rauszukommen.

Dazu muss ich sagen, dass ich ein echter Instagram-Streber bin und mich die App eigentlich ziemlich lieb haben müsste. Ich bin seit gut drei Jahren dabei, poste sehr regelmäßig eigenen Content (also keine Regrams), habe noch nie Follower gekauft oder die Follow-Unfollow-Strategie betrieben und stehe mit vielen anderen Instagrammern in regem Austausch. Aber selbst ich kleine Streberin kann es dem allmächtigen Instagram offensichtlich nicht recht machen. Und da frage ich mich immer wieder: Was zur Hölle ist eigentlich dein Problem, Instagram? Während ich mich also durch zahlreiche Artikel zum Thema Algorithmus, Followerzahlen, Reichweite & Co. klickte, stieß ich immer wieder auf einen Begriff – den Shadowban. Klingt nach Gruselfilm und irgendwie ist es das auch.

Der Shadowban, der übrigens nie offiziell von Instagram bestätigt wurde, hatte ursprünglich mal einen sehr löblichen Ansatz. Spammer, Fake-Accounts und Bots sollten aufgrund Ihres Nutzungsverhaltens identifiziert und abgeschirmt werden. Sprich: Wer böse ist, darf nicht mehr mitspielen. Leider aber, hat der Bann auch harmlose, echte Nutzer erfasst und auch sie auf die Ersatzbank verbannt. Das Gemeine daran: Instagram informiert dich nicht darüber, dass es dich auf dem Kieker hat. Und so bemerken viele erst spät, dass da irgendwas nicht stimmt.

Das Gemeine daran: Instagram informiert dich nicht darüber, dass es dich auf dem Kieker hat. Und so bemerken viele erst spät, dass da irgendwas nicht stimmt.

Angeblich gibt es einen einfachen Test um herauszufinden, ob man gebannt ist. Man soll einfach jemanden bitten, dem eigenen Konto zu entfolgen und dann prüfen, ob man unter einem gewissen Hashtag, das man verwendet hat, noch angezeigt wird. Taucht man auf, ist alles gut, wenn nicht… Naja, dann hat es Euch erwischt. Ich habe das natürlich bereits getestet und bin offiziell nicht geshadowbanned, aber laut meiner Recherche soll auch das kein absolut verlässliches Mittel sein um rauszufinden, ob man nun auf der Blacklist steht, oder nicht.

Die Meinungen zu der gesamten Thematik gehen sehr stark auseinander. Aber trotzdem bin ich auf einige Tipps gestossen, die immer wieder auftauchen und Erfolg versprechen sollen. Welche das sind, habe ich hier mal für Euch aufgelistet:

Drittanbieter-Apps meiden!

Instagram mag es gar nicht, wenn man sich Unterstützung von anderen Apps holt, die z.B. für einen Likes vergeben oder den Post vortimen. Also: Finger weg!

Nicht zu viel liken!

Also das war mir völlig neu. Eine Zeit lang hieß es nämlich, dass man so aktiv wie möglich sein soll um bei Instagram auf der guten Seite zu stehen. Allerdings habe ich gelesen, dass Instagram Likes, Kommentare und Follows zählt und begrenzt. Die Zahlen variieren je nach Quelle allerdings sehr. Bei manchen heißt es, man darf stündlich nur ca. 150 Likes verteilen, bei anderen wiederum täglich. Allerdings ist der Zeitpunkt des Likens sehr wichtig. Um mehr Engagement für sein Bild zu generieren, soll man eine Stunde nach dem Posten besonders aktiv sein. Ob das so Sinn der Sache ist?

Achte auf deine Hashtags!

Diesen Tipp finde ich persönlich völlig Banane, da es mir viel zu blöd ist, vor jedem Post alle möglichen Hashtags zu checken. Denn: Instagram stuft wohl manche Hashtags als negativ oder gefährlich ein, z.B. wenn Nacktbilder oder Hate-Speech darunter verlinkt werden. Clever, ne? Da aber auch die Pornoindustrie recht clever ist, posten die ihre Nackedei-Bilder gerne unter so harmlosen Hashtags wie #beautyblogger oder #ootd (was ich persönlich ziemlich lustig finde). Deshalb müsste man also theoretisch vor jedem Post alle relevanten Hashtags checken und schauen, ob irgendwo verbotenerer Content auftaucht. Aber seinen wir doch mal ehrlich – wer macht denn sowas? Ich verzichte deshalb derzeit fast gänzlich auf Hashtags und – Überraschung – bringt auch nichts!

Melde dein Problem bei Instagram!

Auch wenn das Unternehmen dafür bekannt ist, nur sehr selten auf Nachrichten oder Beschwerden einzelner Nutzer einzugehen, kann auch dieser Tipp nicht schaden. Einfach unter „Problem melden“ eine kurze Zusammenfassung des Problems abschicken und abwarten, ob sich was tut. Hab ich übrigens gerade gemacht und ich werde berichten, ob es etwas geholfen hat.

Hashtags nicht in die Kommentare posten!

Ein sehr beliebter Trick von Instagrammern um den eigenen Post von unschönen Hashtag-Haufen frei zu halten: Die Hashtags in den ersten Kommentar posten. Ging wohl eine Zeit lang gut, aber auch das straft Instagram inzwischen ab.

Verhalte dich nicht wie ein Bot!

Dieser Tip klingt irgendwie am einfachsten und ist doch wahnsinnig schwer. Auch wenn wir Menschen keine Computerprogramme sind, haben wir trotzdem feste Gewohnheiten. Ob wir nun jeden morgen zur selben Zeit den Bus nehmen und während der Fahrt unsere täglichen Likes vergeben oder feste Zeiten haben, zu denen wir selbst posten. Alles was uns wie eine Maschine wirken lässt, macht Instagram stutzig. Und kann im schlimmsten Fall zum blacklisten führen. Also lieber mal die Nutzungsgewohnheiten ändern und den Algorithmus ordentlich verwirren.

Nimm Dir eine Auszeit!

Wenn gar nichts mehr geht, soll eine Instagram-Pause helfen. Sprich: Ein paar Tage einfach mal das Handy liegen lassen. Nichts posten, nichts liken und am besten ausloggen. Das soll die Wogen glätten und wie ein Reset wirken. Ich habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt mal eine Pause einzulegen, allerdings glaube ich kaum, dass ich das durchstehen werde. Nicht nur, weil ich mich fürchterlich langweilen würde, ohne hier und da Instagram zu checken, nein – es wäre regelrecht geschäftsschädigend für mich, da ich meine meisten Blogzugriffe über Instagram erhalte. Diese Option ist für mich deshalb erstmal keine Option – aber wenn es so weitergeht, werde vielleicht sogar ich mal Instagram detoxen.

 

Wie Ihr sehen könnt, habe ich diesem Thema einige Zeit gewidmet. Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Und genau das ist das Problem. Ich habe wieder einmal gemerkt, wie unfassbar abhängig so viele von uns von der Über-App inzwischen sind und das ist definitiv kein schönes Gefühl. Und um ehrlich zu sein, glaube ich nicht wirklich an die Wirksamkeit dieser Tricks. Aber bei aller Ehrlichkeit muss ich auch zugeben, dass ich aus purer Verzweiflung sicher den ein oder anderen mal ausprobieren werden. Einfach weil die Hoffnung ja irgendwie zuletzt stirbt, richtig? Vielmehr habe ich mir etwas anderes vorgenommen. Nämlich mich durch den Blog so unabhängig wie möglich von Instagram zu machen, so dass mir ein Schluckauf im Algorithmus nicht alle paar Wochen aufs Neue die Laune vermiesen kann.

Nämlich mich durch den Blog so unabhängig wie möglich von Instagram zu machen, so dass mir ein Schluckauf im Algorithmus nicht alle paar Wochen aufs Neue die Laune vermiesen kann.

 

Update vom 7.6.2018

Ihr Lieben, wie versprochen wollte ich ja berichten, ob sich durch die Tipps, die ich im Netz gefunden habe, irgendwas an der Reichweite ändern lasst. Die traurige Wahrheit: Nein, nicht wirklich. Egal welche Strategie ich benutzt habe oder wie sehr ich auch die „Regeln“ beachtet habe, meine alte Reichweite habe ich immer noch nicht zurück. Ich glaube langsam auch, dass ich mich damit ganz gut arrangiert habe und dass das Wachstum nicht alles ist. Vielmehr will ich mit meiner Community kommunizieren, sie besser kennenlernen und die 15k so gut es geht mit Infos und Inspiration versorgen. Wer braucht schon 100k (mehr dazu hier)?

Was ich allerdings bemerkt zu haben glaube, ist, dass eine kleine Pause wahre Wunder bewirkt. Wenn Ihr also mal wieder die Nase gestrichen voll habt, dann lasst die App mal ein paar Tage ruhen. Danach geht es meist ein wenig frischer weiter. Nicht nur im eigenen Kopf, sondern auch bei der Reichweite.

Update vom 1.8.2018

Derzeit hat es mich mal wieder so richtig hart erwischt. Keiner sieht meine Bilder oder Stories. Eine Auswirkung auf die Followerzahl hat es allerdings nicht. Ich bin langsam der Meinung, dass alles in Wellenbewegungen abläuft. Erst läuft es überdurchschnittlich gut und dann wirst du erst recht komplett verschluckt. Schlau bin ich zwar noch nicht draus geworden, halte Euch aber auf dem Laufenden. 

Update vom 4.11.2020

Viel zu lang ist mein letztes Update zum Thema Algorithmus an dieser Stelle schon her. Fast ganze 2 Jahre. Was also ist in der Zwischenzeit passiert? Nun ja – ich bin gewachsen. Und zwar ordentlich. Seit Anfang des Jahres habe ich meine Followerzahl um 10k erhöhen können und auch wenn ich natürlich nicht ganz genau sagen kann, woran es jetzt liegt, gibt es ein paar Erkenntnisse, die ich heute mit euch teilen möchte.

Zum einen ist mir aufgefallen, wieviel das Speichern meiner Bilder und das Teilen meiner Inhalte auf anderen Accounts ausmacht. Durch diese beiden Punkte, habe ich viel mehr an Reichweite und Sichtbarkeit gewonnen und dadurch kamen auch jede Menge neue Follower. Zum anderen glaube ich immer noch an die Konstanz. Lasst euch nicht beirren, postet regelmäßig, auch wenn manche Bilder oder Inhalte im großen Nichts zu verschwinden scheinen. Diese Herangehensweise verfolge ich seit Jahren und auch wenn ich damit nicht über Nacht 100k neue Follower erreiche, glaube ich dennoch fest daran, dass die Konstanz ein ganz wichtiger Aspekt ist, um neue Follower dazu zu gewinnen.

Auch wenn ich dem derzeitigen Wachstum noch nicht so recht traue und mir sicher bin, dass ich bald auch wieder auf eine Durststrecke treffen werde, hat dieser Push doch gut getan und mir erneut gezeigt, wie wichtig die Interaktion mit anderen Accounts ist. Aber: Erzwungene Shoutouts halte ich immer noch für keine gute Idee. Es bringt so viel mehr, wenn andere Accounts eure Inhalte „natürlich“ teilen und nicht zu offensichtlich als kleine Werbemaßnahme.