Qualität, Kauf, Pflege: Der Einsteiger-Guide für Echtschmuck

Ich weiß ja nicht ob es am Alter und der damit einhergehenden Neigung zu vernünftigeren Entscheidungen liegt (Merke: Ausnahmen bestätigen die Regel) oder an meinem sich immer stärker festigendem Geschmack in Sachen Schmuck – aber seit einiger Zeit bereitet mir Modeschmuck keine so wirklich große Freude mehr. Versteht mich nicht falsch – ich liebe Schmuck und Accessoires jeder Preisklasse und für mich ist Spaß dabei immer die absolute Hauptsache, aber wenn ein Schmuckstück schon nach wenigen Wochen matt und angelaufen in der Schmuckschatulle liegt, bereue ich den Kauf nur allzu oft.

Vor einigen Jahren bin ich deshalb ausschließlich auf hochwertig vergoldeten Schmuck umgestiegen, muss aber auch hier feststellen, dass ich weder Nerv noch Lust habe, alle meine 18 Ringe vor dem Hände waschen oder alle 9 Ohrringe vor dem Duschen abzunehmen um die Vergoldung zu schonen. Die einzige Alternative, die da Abhilfe schaffen kann: Echtschmuck oder auch Fine Jewellery genannt. Und genau darum soll es heute in aller Ausführlichkeit gehen. Aber ganz wichtig: Es geht mir nicht um Diamanten-Colliers von Bulgari & Co., für deren Preis man easy auch ne Wohnung anzahlen könnte – die sind meilenweit fernab meiner finanziellen Vorstellungskraft und sicherlich auch eurer.

Es geht mir um qualitativ hochwertigen Echtschmuck, der von absolut bezahlbar bis kleineres Investment reicht und der nicht alleine zu speziellen Anlässen getragen, sondern jeden Tag von Herzen geliebt werden kann und soll. Denn rechnet man sich so manch scheinbar günstigen Schmuckkauf der Vergangenheit mal wirklich durch, macht Echtschmuck, je nach Trageverhalten und Budget natürlich, ziemlich viel Sinn. Wo aber anfangen? Wo kaufen? Wie die Qualität erkennen? Und wie pflegen? Das alles habe nicht nur ich mich selbst gefragt und mich deshalb in den letzten Monaten zu allen Einsteiger-Fragen im Bezug auf Fine Jewellery schlau gemacht, sondern mir gleich auch noch die Expertinnen-Tipps vier meiner liebsten Schmuckdesignerinnen Nina Kastens, Hanan Moser von Zany & Shy, Lilian von Trapp und Bea Bongiasca höchstpersönlich eingeholt. Das Ergebnis? Ein kleiner, aber feiner Guide zum Thema Echtschmuck. Los gehts…

Fine Jewellery: Die Definition

Eine richtig feste Definition von Echtschmuck oder Fine Jewellery gibt es tatsächlich nicht. In der Regel ist mit dieser Bezeichnung aber Schmuck gemeint, für dessen Herstellung hochwertige Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin und/oder Edelsteine wie Diamanten, Saphire oder Rubine zu Einsatz kommen. Dadurch, dass hier nicht beschichtet, also VERgoldet wird, kann der natürliche Verschleiß an der Oberfläche auch nicht zum Abrieb der Vergoldung oder Farbverlust führen – sprich: Das Schmuckstück kann zwar mit der Zeit an Glanz verlieren, läuft aber nicht an oder färbt ab, wie man es von günstigem Modeschmuck oder Vergoldungen kennt. Echtschmuck ist also deutlich langlebiger als Modeschmuck oder Demi Fine Jewellery und noch dazu ein ziemlich smartes Investment. Denn: Je reiner die verwendeten Materialen sind (also Massivgold und nicht nur eine dünne Goldschicht), desto besser kann das Stück später auch wieder eingeschmolzen und weiterverarbeitet werden oder gegen den Materialwert zu Geld gemacht werden.

Qualität & Herkunft

Klären wir zunächst mal die K-Frage. Denn bei Goldschmuck gibt die Karatanzahl den Anteil des Goldes in einer Legierung von 24 Teilen an. Das bedeutet: Bei 18 Karat Gold sind 18 von 24 Teilen Gold. Vielleicht ist euch auch der Stempel 750er Gold geläufiger? Das wären 18 Karat, 333er Gold wiederum hätten 8 Karat. Je höher die Karatanzahl, desto hochwertiger das Material. Aber Achtung: Karat darf nicht mit Carat verwechselt werden. Das ist nämlich die Gewichtseinheit, mit der die Größe eines Edelsteins gemessen wird.

Aber Gold ist nicht gleich Gold und Stein ist nicht gleich Stein. Hier gibt es selbstverständlich nicht nur qualitative Unterschiede, sondern auch ethische. Denn die Arbeitsbedingungen bei der Gewinnung von Gold und Edelsteinen sind oft prekär, genauso wie die Auswirkungen auf die Umwelt. Deshalb gibt es inzwischen ein paar Merkmale oder Kennzeichnungen, die mehr Aufschluss über Herkunft und Herstellungen der Materialen geben.

Recyceltes Gold

Hierbei handelt es sich ausschließlich um die Einschmelzung und Wiederverwendung bereits bestehendes Materials, wodurch Welt und Umwelt nicht erneut zu Schaden kommen.

Ethically Sourced Gold

Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um Gold, bei dessen Gewinnung wenig bis kein Schaden an Mensch und Umwelt entsteht, faire Löhne bezahlt werden und Arbeitssicherheitsstandards gewährleistet sind.

Konfliktfreie Diamanten

Als konfliktfrei gelten Diamanten, die keine Bürgerkriege finanziert haben. Im Jahr 2003 wurde dafür der Kimberley-Prozess in seinen Mitgliedstaaten eingeführt. Dieser Prozess zielt darauf ab, Diamanten von der Mine bis zum Markt zu verfolgen und sicherzustellen, dass keine Konfliktdiamanten in den weltweiten Diamantenhandel gelangen. Hier sollte man beim Kauf auf Zertifikate achten. Ein Fairtrade Diamant lässt sich immer nachverfolgen, von der Gewinnung bis zur Verarbeitung als Schmuckstück. Mit Zertifikaten wie dem des Responsible Jewellry Council (RJC) bestätigen Labels dem Käufer, dass alle Diamanten nach ethischen, fairen und umweltschonenden Maßstäben gewonnen und verarbeitet wurden. 

Lab Grown Diamonds

Diamanten, die im Labor gezüchtet werden, sind chemisch und physisch identisch zu denjenigen, die aus Goldminen gewonnen werden. Es ist also auf jeden Fall die transparenteste Art Diamanten und Gold zu kaufen, da der Prozess von einem aus der Mine gewonnen Diamanten bis zum Verkäufer oft nur schwer nachvollziehbar ist. Bonus: bei Lab Grown Diamanten kann man die Produkte theoretisch zusätzlich nur auf demand herstellen, um eine Überproduktion zu vermeiden. Hier werden entweder bestehende Diamanten in vielen Stunden durch einen chemischen Dampfprozess in neue Diamanten „gezüchtet“. Alternativ werden durch das Hochdruckverfahren HPHT (High Pressure High Temperature) in einer Druckkammer Carbonpartikel zu einem Diamanten geformt. Auch preislich punkten die innovativen Edelsteine mit vergleichsweise niedrigeren Preisen. Lab Grown Diamonds sind bis zu 40 Prozent günstiger als ihre natürlichen Verwandten. 

Der erste Kauf

Jetzt wissen wir schon mal die Basics zu Material und Herkunft, aber worauf sollte man beim Kauf von Echtschmuck eigentlich achten? Diese Frage gebe ich direkt mal an meine Expertinnen weiter:

„Beim ersten Kauf von Echtschmuck würde ich vor allem auf ein klassisches und langlebiges Design achten. Hat man ein Signature Piece in unecht, das man rauf und runter trägt? Z.b. große Kreolen? Dann auf jeden Fall zuerst in solch ein Piece aus Echtgold investieren.“Nina Kastens

„Recherchiere! Stelle Fragen! Kaufe am besten bei einem Juwelier oder einer Marke ein, die einen vertrauenswürdigen Eindruck macht und achte darauf, dass der Schmuck die Punze (Stempel, der Aufschluss über Feingehalt des Materials gibt). Die garantiert dir, dass es sich um ein echtes Edelmetall handelt. Und: Investiere in made to order Schmuck. Dieser ist nicht nur nachhaltiger (weil keine Überproduktion), sondern wird auch speziell für dich angefertigt, was ihn noch besonderer macht.“Hanan Moser von Zany & Shy

„Stell sicher, dass du das Stück auch wirklich liebst und achte auf alle Stempel und Zertifikate. Wenn du z.B. einen Stein mit mehr als 0.5 Carat kaufst, solltest du ein Zertifikat einer offiziellen Organisation bekommen, die dir die Qualität des Steins bestätigt.“ – Bea Bongiasca

“ Achte auf Qualität in der Verarbeitung und darauf, wo der Schmuck produziert wird. Recycelte Materialien oder fair mined Zertifizierung stellen sicher, dass man Echtschmuck mit gutem Gewissen genießen kann. Und: Schau dir das Stück deiner Wahl am besten live an. Fotos können stark bearbeitet werden und daher nicht immer aufschlussreich sein.“ Lilian von Trapp

Ein weiterer Tipp von mir: Kenne deine Ringgröße – und zwar auch international. Nichts ist frustrierender, als wenn der Ring deiner Wahl dann am Ende doch nicht passt. Deshalb lohnt es sich besonders bei Echtschmuck, die Größe jedes einzelnen Fingers zu kennen. Hilfreiche Tools zum Ausmessen findet ihr z.B. hier bei Alina Abegg oder hier bei Akind. Online gibt es dann Tabellen, die euch verraten, wie eure deutsche Ringgröße international bezeichnet wird. Und: Echtschmuck lohnt sich in meinen Augen am meisten bei Ringen oder Ohrringen. Bei meinen inzwischen 9 Ohrlöchern, setze ich komplett auf Echtschmuck. Den vertrage ich nicht nur super, sondern ich kann ihn auch Wochen und Monate am Stück drinnen lassen und muss mir beim Baden, Duschen, Saunieren & Co. keinen Stress machen. Aber auch bei Ringen ist es mir inzwischen sehr wichtig, qualitativ hochwertigen Schmuck zu tragen. So oft wie in den letzten zwei Jahren haben wir wohl alle nicht unsere Hände gewaschen oder desinifziert und da ist die Gefahr groß, dass der Schmuck entweder Schaden nimmt oder man aus Versehen mal sein Lieblings-Piece auf der öffentlichen Toilette liegen lässt.

Und zu guter Letzt: Denkt auch daran, dass ihr mit Echtgold oder Steinen immer wieder neue Schmuckstücke gestalten könnt. Ich habe z.B. letzte Woche ein paar alte Familienerbstücke zu einem Goldschmied gebracht, der mir daraus jetzt ein individuelles Stück nach meinen Wünschen anfertigt. Hier zahle ich dann nur die Arbeitsstunden, da das Material ja bereits da war. Guter Deal!

Reinigung

Gold und Edelsteine haben zwar tausende Jahre unter der Erde überstanden und können einiges ab, aber dennoch wollen sie richtig gereinigt und gepflegt werden. Mit der Zeit sammeln sich Hautschüppchen, Staub, Dreck und Talg auf Gold oder Edelsteinen und nehmen den Materialien so ihren natürlichen Glanz. Ich persönlich zelebriere das Reinigen meiner liebsten Schmuckstücke regelrecht und widme mich dieser Prozedur ca. zwei Mal im Monat.

Am besten geht das Ganze in einem lauwarmen Laugenbad mit etwas Spülmittel. Darin wird der Schmuck ein wenig eingeweicht und dann mit einer neuen Zahnbürste vorsichtig geputzt werden. Ich persönlich schwöre auch auf Schmuckputztücher, die für sofortigem Glanz sorgen. Achtet dabei besonders auf die Fassung von Steinen, in der sich besonders gern Schmutz ablagert. Bei mir inzwischen auch viel in Gebrauch ist ein Ultraschall-Schmuck-Reinigungsgerät. Ich verstehe zwar auf Teufel komm raus nicht, wie es funktioniert, aber das Ergebnis ist super!

Was die Lagerung des Schmucks angeht, so eignet sich eine mit Stoff ausgelegte Schatulle am besten. Hier sollten die Stücke getrennt voneinander aufbewahrt werden, damit sie sich nicht gegenseitig zerkratzen können.

Die besten Adressen

Jetzt wissen wir also alle was Fine Jewellery ist, worauf wir beim Kauf achten sollten und wie man den Echtschmuck in Schuss hält. Was jetzt noch fehlt, sind die besten Adressen! Alles Brands und Shops, die ich schon kenne und bei denen ich mich bisher wunderbar aufgehoben und beraten gefühlt habe:

  • Nina Kastens (die schönsten Verlobungs- und Eheringe oder Geschenke an einen selbst)
  • Bea Bongiasca (mein spirit animal was Design angeht! Hier gibt’s semi fine Jewellery und Echtschmuck-Pieces)
  • Juuls Juuls (qualitativ hochwertige Klassiker zu fairen Preisen)
  • Zany & Shy (fair, nachhaltig & wunderschön)
  • Lilian von Trapp (sagenhaftes Design & sustainable Herstellung made in Germany)
  • Eve’s Jewel (neben semi fine Jewellery gibt es hier jetzt auch ausgewählte Stücke in Massivgold)
  • Maria Tash (mein Favorit in Sachen Ohrschmuck. Gibt’s bei net-a-porter, mytheresa & Co.)
  • Akind (ideale Adresse zum Einstieg & fair und nachhaltig)
  • Alina Abegg (moderne und ausgefallene Designs treffen auf hochwertigste Materialien)
  • Mejuri (große Auswahl, faire Preise und soziales Engagement)
  • Persée Paris (wunderbar feine Stücke mit Klassiker-Potential)
  • The Last Line (Fun Jewellery, aber komplett sustainable und conflict free)

Fine Jewellery: Meine liebsten Stücke

14 Karat Gold & Diamanten: Ring von JUULS JUULS, 350 €

18 Karat Gold: Ohrring von MARIA TASH, um 455 €

18 Karat Gold & Diamanten: Ring von ZANY & SHY, um 1100 €

18 Karat Gold & Diamant: Ring von DIOR, um 900 €

14 Karat Gold: Ring von AKIND, um 140 €

14 Karat Gold: Kette von EVE’S JEWEL, um 290 €

9 Karat Gold & Emaille: Ohrring von ALINA ABEGG, um 240 €

14 Karat Gold & Diamanten: Ohrring von NINA KASTENS, um 329 €

18 Karat Gold, Aquamarin & Diamanten: Ring von BEA BONGIASCA, um 3900 €

14 Karat Gold: Ring von LILIAN VON TRAPP, um 590 €

14 Karat Gold & Diamanten: Armband von MEJURI, um 2320 €

14 Karat Gold, Emaille & Diamant: Ohrring von THE LAST LINE, um 400 €

18 Karat Gold, Emaille & Diamant: Ring von PERSÉE PARIS, um 1185 €

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