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Frollein Herr

In Sachen Beauty kann es schon mal ziemlich technisch und nerdy werden. Will man verstehen, wie bestimmte Wirkstoffe im Körper arbeiten, was Nährstoffe auf Zellebene tun oder wie genau die Haut bei ihrer regelmäßigen Regeneration vorgeht, kann so ein Studium in Biochemie nicht schaden. Da ich – und sicherlich auch die meisten von euch – aber keinen Doktor in diesem Fachgebiet haben, geht es für uns eher selten so richtig in die Tiefe und wir kennen lediglich vereinfachte Oberbegriffe und grobe Wirkweisen – wie zum Beispiel die der Antioxidantien. Das ist für die persönliche Gesundheit und Pflegeroutine natürlich auch komplett ausreichend, trotzdem möchte ich heute mit euch gemeinsam eine Ebene tiefer gehen und eine ganz spezielle Gruppe der Antioxidantien kennen- und hoffentlich auch besser verstehen lernen: die sogenannten Polyphenole.

Die begleiten mich nämlich schon seit Beginn meiner Karriere in der Beautybranche und ich erinnere mich noch sehr gut an einen Vortrag zu diesen Super-Antioxidantien, der mich damals als blutjunge Beautyassistentin nicht nur wahnsinnig begeistert und interessiert hat, sondern mir auch klar gemacht hat, wieviel Innovation, Forschung und Wissen in dieser Branche steckt. Und weil ich trotz dieses einen Vortrags selbstverständlich immer noch keinen Doktor in Biochemie habe, habe ich mir Verstärkung ins Boot geholt, um euch alles zum Thema Polyphenole leicht verständlich, aber fundiert vermitteln zu können: Dr. Tatjana Ballauff ist Fitness- und Ernährungsexpertin, Biochemikerin und Geschäftsführerin der besser-drauf Fitness GmbH in Hamburg und stand mir für diesen Artikel mit all ihrem Expertenwissen zur Seite. Los gehts…

Was sind Polyphenole?

Wieso ich euch heute überhaupt von de Polyphenolen erzählen möchte, ist recht leicht erklärt: Sie sind in Sachen Gesundheit und Hautgesundheit wahre Super-Wirkstoffe und bekommen trotz ihrer Wahnsinnskräfte bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Aber erstmal von vorne: Polyphenole sind chemische Verbindungen aus der Stoffgruppe der Phenole und zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie kommen ausschließlich in Pflanzen vor, gehören zur Gruppe der Antioxidantien und stellen bioaktive Substanzen wie Farbstoffe, Geschmacksstoffe und Tannine dar. In den Plflanzen kommen sie in Randschichten von Obst, Gemüse und Getreide vor und schützen die Pflanze dort vor Sonne oder Fressfeinden. Und genau diese Eigenschaft macht sie auch für uns so spannend.

Was können sie?

Polyphenole sind wahre Jungbrunnen, da sie positiv auf unsere verschiedenen Alterungsprozesse wirken.“, verrät Dr. Ballauf. „Aus Laborexperimenten wird den Polyphenolen eine Vielzahl an gesundheitsfördernden Eigenschaften zugeschrieben. Sie wirken antioxidativ, entzündungshemmend und blutdruckregulierend und können die Fettoxidation verhindern. Es wird angenommen, dass die Antioxidantien direkt im Blut ihre Wirkung entfalten und so die Zellen vor freien Radikalen schützen können.“ Aber nicht nur in Sachen Gesundheit haben Polyphenole so einiges auf Lager, denn der Jungbrunnen-Effekt wirkt auch in der Haut: „Sie regen die Mikrozirkulation an und bekämpfen aggressive freie Radikale, die für eine frühzeitige Hautalterung verantwortlich sind. Polyphenole schützen die Kollagen- und Elastinfasern vor dem Abbau, helfen vor Wassereinlagerungen, straffen das Gewebe und hemmen den Verlust von körpereigener Hyaluronsäure.”, so die Expertin.

Was muss man wissen?

„Zu den Polyphenolen zählen die Flavonoide, Phenolsäuren und Anthocyane. Polyphenole kommen überwiegend in den Randschichten von Gemüse, Obst und Vollkorngetreide vor. Reich an Flavonoiden sind Obstschalen (Weintrauben, Äpfel) und Randschichten vom Gemüse, beispielsweise Brokkoli, Endivie, Grünkohl und Zwiebeln. Besonders reich an Phenolsäuren sind Grünkohl, Weizenvollkorn und frisches Beerenobst. Auch grüner sowie schwarzer Tee, Walnüsse, Trauben und dunkle Schokolade sowie Kakao enthalten viele Phenolsäuren. Kaffee enthält mit 7 mg Kaffeesäure pro Tasse eine beachtliche Menge an Polyphenolen. Er soll sogar die meisten verwertbaren Polyphenole liefern, weshalb einige Mediziner bereits ein bis zwei Becher Kaffe pro Tag empfehlen. Aber auch Rote-Bete-Saft, Zwiebeln, Nüsse, Getreide und Sojabohnen enthalten viele Polyphenole.“, erklärt Dr. Ballauf. Das Gute: Im Gegensatz zu Vitaminen braucht man beim Kochen keine Rücksicht auf Polyphenole nehmen, sie bleiben beim Erhitzen weitestgehend stabil. Mit einem Gerücht müssen wir an dieser Stelle allerdings aufräumen: Das abendliche Glas Rotwein, das aufgrund seines hohen Antioxidantiengehalts gerne als „gesund“ verargumentiert wird, enthält zwar tatsächlich jede Menge Polyphenole (100 ml Rotwein = 101 mg Polyphenole), im Vergleich zu den oben genannten Lebensmitteln ist das aber gar nicht mal so viel und wird besonders durch den Faktor Alkohol auch nochmal relativiert.

Eine richtige Verzehrmenge oder Empfehlung zu den Polyphenolen gibt es übrigens nicht, da die Lebensweise ganz immensen Einfluss auf die nötige Menge an Antioxidantien hat: „Durch den Konsum von Zigaretten, Alkohol und ungesunder Ernährung wird eine höhere „Dosis“ an Polyphenolen benötigt als bei einer gesunden Lebensweise. Doch auch durch äußere Einflussfaktoren, wie Feinstaub oder die Pestizidbelastung von Lebensmitteln erhöht sich die Menge der freien Radikalen im Körper. Grundsätzlich wird geraten, täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen.“, so die Expertin.

Auch auf dem Nahrungsergänzungsmittelamarkt stehen Polyphenole hoch im Kurs. Hier mahnt die Expertin alleridings zur Vorsicht: „Einige Pflanzenstoffe können dosisabhängig negative Wirkungen haben, wie zum Beispiel Beta-Carotin. Bisher ist weder bekannt, welche Stoffe in welchen Mengen und in welcher Kombination aufgenommen werden sollten, noch was die langfristigen Auswirkungen größerer Mengen isolierter Stoffe sind – also wie sicher diese sind. Phytinsäure (Phytat) aus Getreide hemmt beispielsweise die Zinkaufnahme. Auch über die Bioverfügbarkeit, insbesondere von isolierten Stoffen in Nahrungsergänzungsmitteln, ist bisher wenig bekannt. Beim Kauf von Nahrungssupplementen sollte man auf die Verzehrempfehlung (Dosierung) des Herstellers achten. Auf keinen Fall mehr als angegeben zu sich nehmen, da die Sicherheit dann nicht mehr gewährleistet ist. Außerdem sollte man kritisch bei Produkten aus dem Internet oder aus dem Nicht-EU-Ausland sein, die nicht geprüft sind.“

Polyphenole: Mein Fazit

Erstmal: Herzlichen Glückwunsch, wenn du es bis hierhin geschafft hast! Ich weiß, dass dieser kleine Beauty-Exkurs ein wenig technisch war, aber einfach nur zu sagen: „Polyphenole sind super!“, hätte mir an dieser Stelle einfach nicht gereicht. Klar ist, dass eine gesunde und pflanzenbasierte Ernährung für Zellen, Gesundheit und auch unsere Haut das Beste ist. Aber dennoch kann man mit dem Wissen über die Superkräfte der Polyphenole vielleicht hier und da noch ein wenig optimieren. Wenn man weiß, in welchen Lebensmitteln besonders viele Polyphenole enthalten sind (z.B. Brokkoli, Grünkohl oder sogar Kaffee) und dass die Antioxidantien sich in den Randschichten der Pflanzen befinden (also da wo möglich unbedingt die Schale mit essen), kann man seinen Polyphenol-Verzehr steigern und nicht nur seiner Haut, sondern auch seiner Gesundheit etwas Gutes tun.

Polyphenole haben einen nachweisbar präventiven Effekt, das haben auch die letzten Studien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergeben. Aber auch bei chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes können die sekundären Pflanzenstoffe schützen. In der Haut wirken sie als Radikalfänger, schützen die Zellen also vor Schäden durch schädliche äußere Faktoren und wirken dem natürlichen Alterungsprozess entgegen. „Bei chronischen Hauterkrankungen wie z.B. Akne können die im Tee enthaltenen Polyphenole sogar die Talgproduktion verringern.“, verrät Dr. Ballauf.

Alles in allem finde ich persönlich, dass dieser Stoffgruppe viel mehr Aufmerksamkeit gebührt, als sie im Beauty-Mainstream bekommt. Und genau deshalb war mir dieser kleine Sonntagsexkurs so wichtig. Ich werde definitiv mehr darauf achten, die besonders polyphenolhaltigen Lebensmittel in meinen Ernährungsalltag zu integrieren, die Schale immer (!) dran zu lassen und vielleicht hier und da mit einem seriösen (!) Nahrungsergänzungsmittel nachzuhelfen. Nicht nur für die Gesundheit meiner Haut, sondern auch die meiner Zellen!

Comments

  • 3. Oktober 2021
    reply
    Christl

    Danke Dir! Ein sehr interessanter Artikel!

  • 3. Oktober 2021
    reply
    nadine

    Sehr spannender Artikel!

      • 3. Oktober 2021
        reply
        Katy

        Sehr schön und verständlich dargestellt 😊 vielen Dank

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