Der Instagram Algorithmus: Zwischen Willkür und Wirtschaftlichkeit

Instagram: To like or not to like

Wollt Ihr mal raten, welcher mein meistgelesener Artikel seit dem Bestehen von Frollein Herr ist?

Na? Eine Idee? Na gut – ich verrate es Euch: Im April 2018 schrieb ich aus einer Laune heraus den Artikel „Blacklisted: Lässt sich der Instagram-Algorithmus wirklich austricksen?“, weil mir die zu der Zeit so niedrigen Likezahlen und das Verlieren meiner Follower schlicht und einfach auf den Keks ging.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mit ein paar gut gewählten Schlagworten auf Seite 1 bei Google lande und der Artikel seitdem Tag für Tag von Menschen rund um den Globus gelesen wird. Klar, ich freue mich riesig über jeden einzelnen Besucher auf dem Blog, aber nach ein paar Wochen und Monaten der großartigen Performance bin ich dann doch stutzig geworden: Das Thema ist ja nun nicht wirklich Teil meiner Kernkompetenz?! Was mir das gezeigt hat? Dass Suchanfragen wie „Ich verliere Follower bei Instagram. Was tun?“, „gibt es den Shadowban bei Instagram wirklich?“ oder „Kann man den Algorithmus austricksen?“ einfach wie bekloppt bei Google gefragt sind.

Glaubt mir, mit einem Trendthema hätte ich nie, nie niemals so viele Leute erreicht, wie mit meinem kleinen Frustartikel über den bösen, bösen Algorithmus.

Das ist nun rund ein Jahr her und das Thema nach wie vor aktuell. Immer wieder tausche ich mich mit Kollegen, Marken oder PR-Leuten über den derzeitigen Stand unser aller Lieblings-App aus und muss feststellen, dass der Spaßfaktor für die, die beruflich mit Instagram zu tun haben, leider mit dem Frust kaum noch mithalten kann. Die Diskussionen über Relevanz, Reichweite und Quality Content sind nervig, mühsam, endlos und dennoch beschäftigt viele das Thema so sehr, dass es gut und gerne mal die Hälfte eines Lunchtermins dominieren kann. Wir sind schlicht und einfach beruflich abhängig von Instagram!

Neulich sind mein Freund und ich bei unserer Freitagspizza ebenfalls auf das Thema zu sprechen gekommen, aber da er beruflich keine Berührungspunkte mit dem Influencer-Game hat und mir generell immer rät, mich von der App nicht so abhängig zu machen („Ich weiß, aber…“), war ich schon kurz davor das Thema zu beenden, als er etwas sagte, dass mir die Augen öffnete:

„Karo, Instagram ist keine staatliche Behörde oder eine regulierte Institution, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Die spielen das am meisten aus, was Ihnen am meisten Geld bringt.“

Bäm. Eine Logik, auf die ich selbst nicht gekommen wäre! Ist man Teil der Instagram-Blase, verliert man zwischen Likes, Reichweite und Impressionen schnell mal den Blick für das Wesentliche. Läuft ein Bild schlecht, hatte ich bisher zwei Optionen zur Auswahl: 1. Mein Inhalt ist scheiße oder 2. Der Algorithmus ist scheiße.

So oder so blieb ein vorherrschendes Gefühl: Scheiße.

Dass es bei der inzwischen auf 100 Milliarden Dollar geschätzten App aber schlicht und einfach um Geld geht, habe ich naiverweise nicht auf dem Schirm gehabt. Zu schön ist doch der Gedanke, mit seiner eigenen Kreativität Leute auf der ganzen Welt erreichen zu können. Einfach, weil er gut ist. Das hat etwas Demokratisches, etwas Faires an sich. Etwas, das man sich in so vielen Aspekten unseres heutigen Alltags wünschen würde.

Kevin Systrom und Mike Krieger, die Instagram-Gründer, sagten in einem Podcast über die ursprüngliche Idee der Foto-App: „Die Leute sollen teilen, was sie lieben – und sich während des Teilens großartig fühlen.“ Eine gleichzeitig wirtschaftliche und schöne Idee, die aber spätestens seit dem Verkauf an Facebook und der Einführung des Algorithmus 2015 umgeschrieben werden sollte.

Instagram ist ein werbefinanziertes Unternehmen – und das dürfen wir nie vergessen.

Wäre ich ein Laden und würde Leute auf mich aufmerksam machen wollen, würde ich höchstwahrscheinlich auch Werbung für mich machen. An Litfaßsäulen, dem Bäcker in der Nähe oder in der Lokalzeitung. Und genau das tun Marken mit Influencern. Sie nutzen ihre Reichweite um eine spezielle Zielgruppe zu erreichen. Logisch oder? Allerdings ist jeder Influencer wiederum auch eine Marke und wird von Instagram (remember: kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen) gemessen, gerankt und je nach Ergebnis für wertvoll oder weniger wertvoll befunden. Sprich: Wir Influencer (Ihr wisst, ich hasse das Wort) sind für das Unternehmen Instagram also nicht nur dank unserer Reichweite und der Followerschaft interessant, sondern auch wir bringen Werbeeinnahmen, wenn wir unsere Beiträge über die App bewerben.

Und wieso erzähle ich Euch das? Weil ich weiß, dass es einige von Euch interessiert und weil sich so viele immer und immer wieder fragen, ob Ihr Content nun „relevant“ ist oder nicht. Das Wort Relevanz verwende ich in diesem Zusammenhang übrigens nur ungerne, da es sehr, sehr relativ ist.

Blonde Mädchen vor dem Eiffelturm: Relevant oder nicht?

Instagram sagt „ja“ und das heißt auch, dass der ziemlich clevere Algorithmus das bestätigt. Auch wenn es oft willkürlich scheint – ein Computerprogramm ist alles andere als willkürlich. Dennoch lasse ich mir auch die These der Relevanz nicht so ganz eingehen, denn: Auf was der Algorithmus programmiert ist, nach welchen Kriterien er misst, rated und ausspielt, wissen wir alle nicht. Es ist wohl wie mein Freund gesagt hat: „Instagram ist kein Wohltätigkeitsverein. Und auch keine staatlich regulierte Behörde.“ Da können wir Blogger/Influencer uns noch so auf die Hinterbeine stellen – wir haben schlicht und einfach kein Anrecht auf Likes oder Reichweite. Alles was wir tun können, ist uns vielleicht ein wenig mehr vom Gedanken der Demokratie zu verabschieden und unsere Inhalte konstant zu hinterfragen, weil wir nicht das Ergebnis erzielen, was wir uns vielleicht wünschen.

Was mich am Ende des Tages übrigens immer wieder bei der Stange hält, ist mein Blog. Denn dort bin ich, auch trotz Google, bei weitem nicht so abhängig wie auf Instagram. Und für den Tag, der irgendwann sicher in einer Form kommen wird, und Instagram aus irgendeinem Grund nicht mehr existiert, weiß ich, dass es Frollein Herr weiter geben wird – und dass Ihr die Seite finden werdet. Auch ganz ohne Algorithmus.