Kreativ, ausgefallen & jede Menge Selbstgemachtes: Zuhause bei Lena Werner aka @allthepeachesplease

Wenn es in meinem Instagram-Feed einen Account gibt, bei dem mir tatsächlich immer und immer wieder aufs Neue der Mund offen stehen bleibt, dann ist es der von Lena Werner – besser bekannt als @allthepeachesplease. Denn keine andere gestaltet ihr Zuhause nicht nur unfassbar kreativ, ausgefallen und detailverliebt, sondern macht dabei auch so gut wie alles selbst. Ein neues Kopfteil fürs Bett? Kein Problem! Lena zieht ihrem Sofa mal eben mal so den Stoff ab und bezieht das Kopfteil neu. Ein Spiegel à la Gustaf Westman? Klar, einfach selber machen. Stichsäge, Kleber und Spachtel sind bei Lena genauso oft im Einsatz, wie Strick- oder Häkelnadeln und ich liebe es, sie via Reel oder Story bei ihrem kreativen Prozess zu bewundern.

Deshalb wollte ich euch die 28-Jährige, die gemeinsam mit Freund und Hund Sakari in Norddeutschland lebt, auf diesem Wege nicht nur vorstellen und euch ihren Account @allthepeachesplease vorstellen, sondern auch ein paar Insights zu ihren Interiorprojekten, Inspirationsquellen und kreativen Tipps bekommen. Und aus diesem Interview ist nicht nur ein gehaltvoller Artikel für alle DIY-Begeisterten unter euch entstanden, sondern auch die Idee, aus diesem Format eine neue Serie zu entwickeln. Schließlich gibt es bei mir schon regelmäßig Interview-Formate zu Beauty oder Job – wieso nicht auch mal in fremde Wohnungen schauen?

Jetzt aber gehts erstmal los mit DIY-Superbrain Lena und der Frage, wie sie all ihre kreativen Projekte eigentlich gemanaged bekommt. Und ich habe euch ein paar ihrer DIY’s verlinkt – für noch mehr Inspo, schaut einfach direkt auf Lenas Account vorbei!

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Ich würde sagen skandinavisch, aber vor allem ein Mix aus neuen und alten Stücken. Die Wohnung spiegelt auch immer wider, mit was ich mich gerade beschäftige. Wenn ich viel Buntes mag, ist auch die Wohnung bunt. Wenn ich es eher ein bisschen ruhiger und aufgeräumter mag, spiegelt sich das dann auch wider. Ganz klar findet man bei mir aber auch sehr viele selbstgemachte Sachen, von denen ich mich einfach nicht trennen kann. Wenn sie mir nicht mehr gefallen werden sie einfach neu angemalt oder mit einem anderen Stoff bezogen. Andere Leute probieren vielleicht modisch gern und oft aus, bei mir ist es das Interior, das sich bei mir oft verändert.

Du baust, schraubst, strickst gefühlt den lieben langen Tag. Wie bekommst du das alles in deinem Alltag unter? Machst du das hauptberuflich?

Also mittlerweile kann man das so sagen. Zwar studiere ich offiziell noch Skandinavische Sprachen, aber die meiste Zeit geht schon für all die vielen Projekte drauf. Vieles davon sieht man am Ende aber gar nicht auf meinem Instagramaccount, auch wenn damit alles seinen Anfang nahm. Wie zum Beispiel die Entwicklung von visuellen Konzepten oder die Dekoration von Läden. Ich habe einfach das Glück, dass mich durch Instagram tolle Leute finden und mich dann fragen, ob ich mit ihnen zusammenarbeiten möchte. Und die Projekte, bei denen ich dann etwas entwickle oder baue, sind mir die liebsten.

Wie ist deine DIY-Geschichte? Hast du immer schon viel selbst gemacht oder kam es plötzlich über dich?

Ich habe Modedesign studiert und in diesem Zuge auch eine Schneiderausbildung angefangen. Also irgendwie habe ich also schon einen DIY-Hintergrund. In meinem Kopf nehme ich Dinge, die ich sehe, immer gleich auseinander. Ich will verstehen wie sie zusammengesetzt oder gebaut sind. Ich hatte allgemein eine sehr kreative Bildung – ich habe Töpfern, Werken, Bildhauerei, Nähen, Malerei gelernt. Das alles kombiniert mit meinem Designstudium bildet schon eine gute Grundlage.

Aber ich habe auch einfach irgendwann angefangen, Dinge einfach zu machen. Ohne wirkliches Ziel, einfach nur, weil ich den Prozess so mag. Ich bin überhaupt kein Perfektionistin oder jemand der plant. Mir ist es auch meist egal, wenn irgendetwas nicht ganz gerade oder perfekt ist. Ich will es eigentlich einfach nur ausprobieren und Spaß dabei haben.

Woher nimmst du all die Inspiration?

Zu einem großen Teil natürlich aus dem Internet. Vor Pinterest & Co. kann man sich ja gar nicht verstecken – und ich glaube, man wird auch total davon beeinflusst. Ob man will oder nicht. Wenn plötzlich alle in deinem Feed häkeln, denkst du automatisch auch darüber nach, Alleine schon, weil ich dann wissen will, ob das wirklich so cool ist wie alle sagen.

In der Regel sehe ich etwas und dann fallen mir 1000 Ideen ein, wie man das ähnlich oder anders machen könnte. Und dann probiere ich meistens einfach rum und so kommt eins zum anderen. Vor Corona bin ich auch super gerne in Kunstausstellungen gegangen und in Second Hand Buchläden. Ich liebe alte Bücher über Design, Möbel, Interior, Kunst, Architektur.

Und wo hast du all die handwerklichen Skills gelernt?

Learning by doing! Ich habe einfach immer alles ausprobiert, auf das ich Lust hatte. Das Nähen habe ich natürlich auch professionell gelernt, aber ich habe mir das als Kind an Omas Nähmaschine schon selbst beigebracht. Wenn ich etwas sehe, will ich eigentlich immer wissen, wie es geht und probiere es einfach aus. Ich glaube das ist der größte Schlüssel zur Kreativität. Je mehr Dinge man kann oder schonmal gemacht/ausprobiert hat, desto mehr Erfahrung hat man und kann kann Wissen und Techniken neu kombinieren. Man muss sich nur davon frei machen, dass alles beim ersten Mal klappen muss. Es wird nicht alles schön oder perfekt. Alles braucht seine Zeit, alles muss man irgendwie üben. Die Hände müssen sich an jede Bewegung ja auch erstmal gewöhnen. Wie beim Häkeln und Stricken zum Beispiel.

Welche Tools sollte jede DIY-Begeisterte zuhause haben?

Eine Stichsäge ist definitiv ein Muss! Dann definitiv noch ein paar MDF-Platten, einen weißen Acryllack, den man mit Acrylfarben abtönen kann und so spontan jede Farbe mischen kann, die man gerade haben möchte. Einfach ein bisschen Weiß in ein leeres Gurkenglas, bunte Farbe dazu und schütteln. Vielleicht auch noch eine Heißklebepistole – eigentlich mag ich die nicht so sehr, weil der Kleber optisch nicht so schön ist, aber sie ist ein Lifesaver wenn es mal schnell gehen muss.

Welches Projekt hat dich am meisten Schweiß und Tränen gekostet?

Also geweint habe ich eigentlich noch nie – aber ziemlich genervt hat es mich, als ich meinen Mosaikspiegel umgeschmissen habe und das Glas gesprungen ist, nachdem ich ungefähr 40 Stunden an dem Mosaik geklebt habe. Aber das Gute ist, dass ich irgendwie gar nicht so sehr an Dingen hänge. Ich mache sie einfach gern, weil ich den Prozess des Machens mag. Danach verschenke ich sie aber auch oft, damit ich schnell wieder Platz für ein neues Projekt habe.

Und auf welches deiner Projekte bist du selbst besonders stolz?

Ich glaube auf das Kopfteil unseres Bettes. Seitdem ich den Teddy-Stoff von unserem alten Sofa drauf gezogen habe, sieht es einfach so viel besser aus. Vielleicht ist das auch das Projekt, das mich am meisten Nerven gekostet hat. Dazu musste ich nämlich erst ungefähr 98393 Tackernadeln rein tackern und dann jede einzelne wieder rauszuholen, den grünen Stoff abziehen und dann wieder 303732 Nadeln reinschießen, damit der Teddy-Stoff hält. Ein Haufen Arbeit, aber das Ergebnis mag ich richtig gern.

Für die AnfängerInnen unter uns: Hast du ein DIY im Kopf, das man selbst mit zwei linken Händen hinbekommt?

Einen alten Lampenfuß oder hässlichen Kerzenständer mit an der Luft trocknendem Ton verkleiden. Da kann man eigentlich nichts falsch machen. Einfach alles in Ton einwickeln und dann die Form immer weiter verändern bis man zufrieden ist. Ich persönlich mag es gern, wenn die Dinge so ein bisschen raw sind und man einfach etwas dran klatscht und dann noch Fingerabdrücke und sowas sieht. Aber man kann natürlich auch alles glatt streichen und abschleifen wenn es trocken ist. Wenn man allerdings schon ein Teil hat, dessen Form man mag, dann immer einfach anmalen oder ansprühen. Oder irgendwas mit Strukturpaste einschmieren – das sieht immer gut aus. Ein texturiertes Bild oder so bekommt wirklich jeder hin!

Du upcycelst ja auch viele Second Hand Stücke – wo findest du diese Schätze?

Zum Teil steht bei uns echt viel an der Straßen rum – da muss man einfach nur die Augen gut aufhalten. Überall gibts diese zu-verschenken-Kisten mit ollen Lampen, Kerzenhaltern oder Spiegeln. Manchmal bediene ich mich aber auch direkt am Sperrmüll-Haufen (psst!). Und dann stöbere ich auch regelmäßig in Trödelläden oder bei Haushaltsauflösungen. Leider aber sind vintage und retro ja mittlerweile so in, dass viele Second Hand Läden echt keine DIY-freundlichen Preise mehr haben – aber ab und an hat man schon noch Glück. Vor Corona waren wir auch viel in Schweden unterwegs. Da gibt es an jeder Ecke einen Loppis, bei dem man für 10-50 Kronen einen ganzen Stuhl bekommt.

Wie oft gestaltest du deine Wohnung um oder integrierst neue Stücke?

Oft. Zu oft. Ich habe einfach immer dieses will-ich-ausprobieren-Gefühl und zack schon steht wieder etwas Neues zuhause rum. Da ich kein Atelier oder eine Werkstatt habe, passiert alles von zuhause aus und unsere Wohnung ist Lebensraum und Kreativort zugleich. Deshalb bekomm ich auch regelmäßig die Krise und will alles anders machen, weil es einfach immer chaotisch is, und es irgendwie keine Grenze gibt, wo Kunst und Projekt anfängt oder Zuhause aufhört. Aber ich habe mir fest vorgenommen, da ein bisschen mehr Ordnung reinzubringen.

Gibt es Websites oder Blogs, bei denen du dir DIY’s abguckst?

Nicht so wirklich. Ich habe das Gefühl, dass es seitdem es Tiktok & Co. gibt, sowieso alles immer und überall zu finden ist. Jeder sieht irgendetwas auf Pinterest, Tiktok oder Instagram und dann ganz am Ende landet es auf Youtube in einem DIY- Video. Früher habe ich die Sorry Girls auf Youtube geguckt, mittlerweile hat es sich eher auf Pinterest & Co. verschoben. Da schaue ich mir Designs, Epochen oder Stile an und lasse mich davon inspirieren. Und dann versuche ich daraus für mich selbst etwas zu ziehen und zu machen.