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Frollein Herr

Kunst ist elitär. Kunst ist teuer. Kunst ist für Kenner.

Mit diesen veralteten Denkmustern möchten Lila Nettsträter und Lisa Kostenko aufräumen und haben Kunst100 gegründet – eine Online-Galerie, die sowohl junge KünstlerInnen unterstützt, aber auch uns allen den Zugang zur Kunstwelt erleichtern soll. Für die beiden ist Kunst nichts, das man erst nach jahrelangem Studium verstehen kann oder für das man zwangsläufig Unsummen ausgeben muss. Kunst ist für alle da und Teil unserer Kultur!

Den Kunstmarkt zu revolutionieren, Stereotype aufzubrechen und tolle Kunst erschwinglich zu machen sind nicht unbedingt kleine Ziele, die sich die beiden Gründerinnen da vorgenommen haben. Und trotzdem haben sie es gewagt und Kunst100 inzwischen sehr erfolgreich positioniert. Aber welche Motivation steckt dahinter? Wer sind Lila & Lisa? Und welche beruflichen oder persönlichen Entscheidungen haben sie dahin gebracht, wo sie heute stehen? Höchste Zeit für eine neue Ausgabe „Und was machst du so?“ – ein Gespräch über Karrierewege, ganz viel Mut und einer tollen Idee mit den beiden Online-Galeristinnen Lila & Lisa…

Wie genau lauten eure Jobbezeichnungen bzw. dein Titel?

Lila: Co-Founderin Kunst100 / Galeristin & zuständig für Artist Relations.

Lisa: Ich bin die andere Co-Founderin von Kunst100 und kümmere mich um Marketing & eCommerce.

Und wie seid ihr geworden was ihr jetzt seid?

Lila: Ich habe eine abgebrochene Ausbildung zur Handelsfachwirtin, ein duales BWL Studium, eine Ausbildung zur Bootsfahrlehrerin hinter mir und war Abteilungleiterin bei einem Herrenausstatter.

Lisa: Ich habe einen klassischen Marketing-Background und habe ein duales Studium bei L’Oréal absolviert. In meiner Arbeit in der Beauty-Industrie haben ich mich schnell auf das Thema Digital Marketing spezialisiert und auch in diesem Bereich mein Masterstudium an der WWU in Münster gemacht. Dazu konnte ich durch Praktika und Auslandsaufenthalte interessante Erfahrungen in der eCommerce-Welt als auch in der Kreativbranche sammeln. Meine Arbeit bei großen Online-Händlern, Beratungen, Werbeagenturen und Galerien hat mich stark geprägt und ich fand es sehr spannend in viele verschiedene Bereiche reinzuschnuppern und unterschiedliche Impulse zu bekommen. 

Wusstest ihr immer schon, dass ihr das beruflich machen möchtet?

Lila: Nein, ich wusste generell nicht Konkretes. Ich wünschte mir aber immer Kunst zu kuratieren und die schöne Seele von Kunst anderen Menschen zu zeigen.

Lisa: Leider nein. Kunst hat in meinem Leben immer eine Rolle gespielt, jedoch hab ich es mir nicht erträumen lassen diese Leidenschaft auch zum Beruf machen zu können. Die Kunstwelt, die ich kannte, war sehr elitär und exklusiv – und in dieser Welt habe ich mich so gar nicht wiedergefunden. Daher habe ich meinen beruflichen Werdegang im Bereich Marketing eingeschlagen, der für mich ein guter Kompromiss aus Kreativität und Business war. Erst durch meine Begegnung mit Lila und durch die Entstehung von Kunst100 wurde mir klar, dass wir die Kunstwelt gemeinsam neu gestalten können.

Und wie können wir uns euren Arbeitstag vorstellen?

Lila: Wenn man meinen Tag mixen würde, würde eine sehr flüssige, bunte und leckere Suppe (evtl mit ein paar zusammenhangslosen Buchstabennudeln) entstehen, die in alle „Bereiche“ fließt. Auch in jede kleine Ritze.
Neben Briefen, Emails und Kundenanfragen, pflege ich täglich unsere Online-Galerie. Das bedeutet Kunstwerke sichten, die perfekte Rahmung für die Kunstwerke auswählen und eine passende Kollektion kuratieren. Oft halte ich Rücksprache mit unseren Portfolio-KünstlerInnen um ihre Arbeiten besser zu verstehen und den BesucherInnen die Geschichten „hinter“den Werken wiederzugeben.

Lisa: Wie es sich für ein junges Start-up gehört ist mein Arbeitstag durch viele verschiedene Aufgaben und Themen geprägt. In unserem kleinen Team ist Lila für die Betreuung der Künstler und der Kunstwerke zuständig und ich sorge dafür dass unsere Kunden auch von unserer Arbeit erfahren und uns online finden. Dazu gehören Kooperation, PR, Marketing und natürlich auch unser online Auftritt als Galerie. Momentan geschieht das zwar alles aus dem Home Office – jedoch bin ich positiv überrascht wie viele Shootings und Marketing-Kampagnen man dann aus den eigenen 4 Wänden organisieren kann.

Was sind die größten Herausforderungen in deinem Job?

Lila: Die größte Herausforderung ist das veraltete Bild des elitären Kunstmarktes. Dieser muss hochpreisig sein! Die KünstlerInnen müssen schon tot sein und die KäuferInnen sind reich, unflexibel und trinken Champagner. Wir glauben ein ganz anders Bild vom Kunstmarkt: Alle können sich Kunstwerke leisten, der Markt ist demokratisch! Wir meinen Kunst ist Kultur und sollte keine Grenzen aufweisen!

Lisa: Für mich besteht die Herausforderung darin, Kunst optimal online abzubilden. Unser Ziel ist es Kunstinteressierten einen einfachen Zugang zur Kunst und auch zum Kunstkauf zu geben.

Elektronik, Mode und auch Lebensmittel kaufen wir bereits alle online. Doch bisher haben sich noch nicht viele Galerien getraut auch Kunst online zu zeigen und zu verkaufen. Daran arbeiten wir täglich im engen Austausch mit unseren KünstlerInnen. Denn durch unsere Online-Galerie schaffen wir es jungen KünstlerInnen den Schritt in den hart umkämpften Markt zu erleichtern und ihre Werke einem breiten Publikum zu zeigen.

Wie haltet ihr es mit Performancedruck oder Selbstzweifeln?

Lila: Ab und zu das Weinen zulassen. Das lernte ich erst spät.

Im Prinzip handel ich „schwierige“ Emotionen sehr unterschiedlich. Noch vor ein paar Jahren unterdrückte ich Zweifel und Druck bis es vermeintlich nicht mehr da war. Das führt aber immer zu schlechter Laune und Energielosigkeit. Ich versuche die täglichen Emotionen besser wahrzunehmen und mich nicht als Superwomen zu sehen. Denn das bin ich nicht!

Lisa: Ich pflege eine Art On-Off Beziehung damit. Selbstzweifel und Druck kommen und gehen und ich glaube niemand ist davon ausgenommen. Mir persönlich hilft es immer sehr direkt darüber zu sprechen. Ich versuche die Dinge dann möglichst konkret zu benennen und auszusprechen um ihnen damit direkt ihren negativen Effekt zu nehmen. Das klappt mich immer und dann hilft nur noch ein leckerer Cappuccino und eine kleine Auszeit mit Lila.

Was würdet ihr jungen Mädchen raten, die diesen beruflichen Weg einschlagen möchten?

Lila: Gehe deinen eigenen Weg! Mach die Dinge so wie du sie gut findest – nur so kann es einen Wandel, einen Fortschritt und eine Diversität in dem Bereich des Kunstmarktes geben! Ich und Kunst100 unterstützen hier auch gerne und du kannst dich gerne bei uns melden.

Lisa: Glaube an dich und suche dir Verbündete. Es kann sehr zäh und mühselig werden alleine an deiner Idee zu arbeiten. Vernetze dich und versuche viele verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Lila und ich wurden am Anfang ausgelacht als wir verkündet haben die Kunstwelt modernisieren zu wollen. Nach und nach haben wir aber Menschen getroffen, die mit uns an unserer Vision glauben. Und mittlerweile sind wir nicht mehr alleine und es wird auch nicht mehr gelacht.

Welche 3 Eigenschaften sind deiner Meinung nach unerlässlich für deinen Job?

Lila: Verständnis/Empathie, Durchhaltevermögen und Geduld!
Lisa: Optimismus, Passion und Pragmatismus!

Der beste Karrieretipp, den du je erhalten hast?

Lila: Ich habe tatsächlich bisher noch keinen guten Karrieretipp erhalten.

Lisa: Mutig zu sein und sich einfach mal trauen etwas zu tun. Im beruflichen Kontext bereue ich nämlich meistens nicht die Dinge, die ich getan habe, sondern die Dinge die ich nicht getan habe.

Was wärt ihr wohl geworden, wenn ihr nicht diesen Weg eingeschlagen hättet?

Lila: Entweder Gastwirtin oder Lehrerin – aber eigentlich wäre mein Wunsch-Plan-B: Für See Shepherd oder Sea Watch tätig zu sein.

Lisa: Ich habe lange mit einer Promotion geliebäugelt und hätte mir auch eine Laufbahn an der Uni vorstellen können.

Was sind eure Pläne/Wünsche für die Zukunft?

Lila: Ich möchte vielen kreativen Menschen zu Ihrem künstlerischen Selbstbewusstsein verhelfen und für einen neuen „Wert“ der Kunst einstehen.

Lisa: Für die Zukunft wünsche ich mir eine moderne Kunstwelt ohne Barrieren und mit mehr Transparenz. Ich wüschne mir KünstlerInnen den Schritt in den Markt zu erleichtern und die Kunstwelt für eine breitere Allgemeinheit attraktiv zu machen. Denn was wäre ein Welt ohne Kunst?

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