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Frollein Herr

Würde man eine statistische Erhebung darüber anstellen, wie viele Frauen meine Stories zum Thema Periorale Dermatitis sehen und wie viele mir anschließend schreiben, dass auch sie darunter leiden oder gelitten haben, könnte man zu dem Schluss kommen, dass mindestens 10% aller Frauen ein echtes Problem mit Pusteln, Papeln und sensibler Haut haben. Klar – mein Instagramkanal ist keine representative Personengruppe, aber ich bin jedes Mal wieder aufs Neue erstaunt, wie unfassbar viele von euch nicht nur wissen was ich meine, wenn ich von POD spreche, sondern selbst eine lange Leidensgeschichte mit der sogenannten Stewardessenkrankheit haben.

Dann schickt ihr mit Tipps, Produktempfehlungen, Hausmittelchen oder Fragen – und ich habe inzwischen das Gefühl eine kleine Selbsthilfegruppe zu haben, mit der ich über den täglichen, oft frustrierenden Blick in den Spiegel sprechen kann. Denn: Es ist nun ziemlich genau zwei Jahre her, dass ich hier zum ersten Mal über die Periorale Dermatitis geschrieben habe – und inzwischen habe ich drei Ausbrüche hinter mir. Der derzeitige, der stärkste, dauert noch an. Und wenn ein Thema so viele Menschen anspricht und bewegt, dann wird es höchste Zeit, dass darüber auch mehr gesprochen und geschrieben wird.

Periorale Dermatitis: Was ist das eigentlich?

Ohne jetzt wieder ganz vorne zu beginnen (schließlich habe ich hier schon ganz ausführlich darüber berichtet) möchte ich kurz nochmal die Basics zur POD erklären: Die Periorale Dermatitis, auch Stewardessenkrankheit oder Mundrose genannt, ist eine ungefährliche, oft chronische Hauterkrankung, die sich durch gerötete bläschenartige Pusteln im Mund-Nasenbereich und manchmal auch an den Augen zeigt. Der Name Stewardessenkrankheit leitet sich vom klischeehaften Bild der Berufsgruppe von Frauen her, die sich stark schminken, viel Pflege verwenden und oft in trockenen Räumen unterwegs sind.

Dabei hat die Dermatologie bis heute eigentlich noch keine eindeutige Ursache für die immer häufiger auftretende Hautkrankheit gefunden. Generell geht die Forschung aber davon aus, dass eine gestörte Hautbarriere schuld ist und die wird nun mal durch zu scharfe Reinigungsprodukte oder zu viele und falsche Hautpflege aus der Balance gebracht. Ich für meinen Teil kann aber mit 100%-iger Überzeugung sagen, dass ich spätestens seit dem ersten Ausbruch vor zwei Jahren meine Haut weder überpflege, noch falsch pflege. Ich habe meinen Beautykonsum deutlich heruntergeschraubt, verwende sowieso keine zu reichhaltigen Produkte, da ich eine Mischhaut habe und wechsle auch meine Produkte nicht unverhältnismäßig oft.

Wieso also werde ich dann immer und immer wieder von der POD heimgesucht?

Wenn ich das wüsste, wäre ich wohl nicht in der Situation, oder? Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass die POD viel mit allgemeinem Stress (Danke 2020), kalter und trockener Luft (tritt bei mir immer im Winter auf) und in meinem Fall eventuell auch mit der Gabe von Kortison zu tun hat. Schließlich folgte die POD bei mir zwei Mal direkt auf die Kortisonspritzen, die ich gegen Rückenschmerzen bekommen habe. Mein Orthopäde sieht da zwar keinen Zusammenhang, ich aber schließe ihn zumindest nicht aus.

Periorale Dermatitis: Was tun?

Jeder, der schon mal nach POD gegoogelt hat oder damit beim Arzt war, weiß: Nur die Nulldiät hilft. Das bedeutet, dass jegliche Verwendung von Kosmetika verboten ist. Kein Cleanser, kein Make-up, kein Lippenbalsam, kein GAR NICHTS. Das ist für mich in der derzeitigen Situation zwar nicht ganz so schwer umzusetzen, da ich mich eh nicht schminken muss und meine Haut sowieso so leicht nachfettet, dass ich auch keine Spannungsgefühle habe. Trotzdem aber geht sie nicht weg. Und das, obwohl ich nun schon konsequent seit Dezember auf alles verzichte und mich nur dann schminke, wenn mein Job es verlangt.

Bei meinem letzten Besuch beim Hautarzt habe ich zudem eine Creme mit dem Wirkstoff Metronidazol, einem Antibiotikum, verschrieben bekommen, die ich seitdem morgens und abends verwende. Die braucht 4-6 Wochen um Wirkung zu zeigen und auch wenn ich schon Besserung sehe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in Geduld zu üben und auf ein paar Tipps & Hausmittelchen zurück zu greifen. So mache ich einmal täglich Schwarzteewickel, indem ich einen starken Schwarztee (wichtig: ohne Zusätze) aufkoche, über Stunden ziehen lasse und anschließend Wattepads mit dem Tee tränke und sie mir für ca. 15 Minuten aufs Gesicht lege. Das bewirkt zwar keine Wunder, aber die im Tee enthaltene Gerbsäure wirkt antientzündlich und lässt Rötungen schneller abklingen. Dieses Ritual habe ich übrigens liebevoll “Gesichtstee machen” getauft und auch wenn ich nicht weiß, ob es mich hauttechnisch wirklich voran bringt, tut es gut, überhaupt etwas “machen” zu können.

Außerdem habe ich meine Zahnpasta gewechselt, da das enthaltene Fluorid auch oft als möglicher Auslöser im Verdacht steht. Jetzt also putze ich meine Zähne mit einer fluoridfreien Zahncreme und hoffe auch hier, dass diese Umstellung etwas bewirkt. Dann nehme ich zudem noch Nachtkerzenöl-Kapseln ein, die die Hautbarriere von innen heraus stärken soll. Ob das hilft? I don’t know – aber zumindest schaden die Fettsäuren nicht.

Ihr seht also – ich tue alles, wirklich alles, was ich kann, damit sich meine Haut verbessert. Und trotzdem ist Geduld gefragt!

Eine Beautybloggerin mit Hautkrankheit

Geduld ist nicht gerade meine Stärke – obwohl ich sagen muss, dass ich jetzt, beim 3. Mal, deutlich entspannter mit mir und meiner Haut umgehe, als zuvor. Ich schäme mich nicht für meine Pusteln, ich finde mich nicht abstoßend und besonders eitel bin ich zum Glück auch nicht. Aber ich mache mir berufliche Sorgen. Denn schließlich sind Beauty und Hautpflege ein großer Teil meines Jobs und ich verdiene Geld damit, Produkte zu testen und darüber zu berichten. Und auch wenn ich mein Testverhalten seit der ersten POD schon deutlich angepasst habe, kann ich nun mal nicht auf Dauer gar nichts mehr verwenden.

Dieser Aspekt belastet mich wahrscheinlich am meisten und ich werde mir hierzu eine Gangart überlegen müssen, die sowohl für mich als Bloggerin, als auch für meine Haut funktioniert, denn derzeit muss ich alle Kooperationsanfragen, die nicht mit meiner Hautgesundheit vereinbar sind, absagen. Aber mal ganz davon abgesehen, dass Beauty mein Job ist, liebe ich es halt auch einfach so sehr und es fehlt mir wahnsinnig, mir die Zeit für mich und meine Haut zu nehmen, mich zu schminken und neue Produkte zu testen. Deshalb breche ich die Nulldiät auch ab und an und trage für einen Zoom-Call oder ein Bild Make-up auf – einfach fürs Gefühl.

Mit jedem Tag, an dem der Frühling näher kommt, geht es meiner Haut besser und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das Schlimmste schon überstanden habe und meine Haut jetzt einfach noch ein wenig Zeit braucht, um zu heilen. Aber ich will auch nicht lügen: Ob nun Pickel oder Pusteln – eine Haut, die so offensichtlich aus dem Gleichgewicht geraten ist, belastet. Und das auch, wenn wir alle wissen, dass wahre Schönheit von innen kommt und Pickel das Normalste der Welt sind. Die Haut ist und bleibt nun mal das Spiegelbild der Seele – und wenn sie derart ausrastet, gilt es umzudenken, Verhaltensmuster zu ändern und in sich hinein zu hören. Dabei ist aber auch sehr wichtig, dass jede Haut ganz individuelle reagiert und ich deshalb hier niemandem irgendwelche Ratschläge geben möchte, die sie oder er sich lieber vom Hautarzt holen sollte.

Was ich aber sagen möchte, ist: Ihr seid nicht alleine.

Ich bin nicht alleine. Und wir sind zum Glück nicht mehr 13, wo so ein paar Pusteln wie ein Weltuntergang erscheinen. Hautpflege ist ein Prozess, auch ein Lernprozess, der sich mit der Zeit verändern kann und bei dem man immer wieder Neues über sen größtes Organ lernt. Also: Lasst uns unserer Haut zuhören, Hautprobleme normalisieren, ohne sie zwangsläufig zu glorifizieren, denn ja: Ich gebe zu, dass ich meine Haut nicht unbedingt Tag für Tag in die Kamera halten möchte. Auch wenn ich nun mal derzeit so aussehe, wie ich aussehe, bin ich mehr als ein paar Pusteln. Daran möchte ich mich selbst erinnern und hiermit auch euch.

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