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Frollein Herr

Ich persönlich liebe Märchen. Ich glaube sogar ein bisschen an sie. Der Prinz auf dem weißen Schimmel, Einhörner oder verwunschene Wälder – solange mir keiner das Gegenteil beweist, ist Träumen doch erlaubt, oder? Wo ich allerdings komplett raus bin ist Rapunzel. Was zur Hölle muss die Gute geschluckt haben, dass sie einen Typen an ihren Haaren einen Turm raufziehen kann? Ich könnte meinen Freund noch nicht mal vom Boden aufs Sofa mit meiner Mähne befördern.

Ich könnte meinen Freund noch nicht mal vom Boden aufs Sofa mit meiner Mähne befördern.

Ja ja, ich weiß schon – Übertreibung gehört zu Märchen dazu wie das Happy End. Aber der Wunsch vieler Frauen nach langen, gesunden und schönen Haaren ist kein Märchen, sondern so real wie eh und je. Sie müssen ja nicht gleich bis zum Boden reichen, aber so eine gepflegte lange Mähne hat schon was. Vor allem diejenigen unter uns, die an Haarausfall leiden oder seit Jahren versuchen Ihre Mähne mal über die Schultern hinaus zu züchten, sind immer auf der Suche nach Produkten, die den komplexen und meist langwierigen Prozess beschleunigen. Die Beautyindustrie ist mehr als dankbar dafür und überschüttet uns in den letzten Jahren förmlich mit Haarwachstumsprodukten. Denen stehe ich zwar eher skeptisch gegenüber, muss aber gestehen, dass ich selten so lange und gesunde Haare wie zur Zeit habe. Ob das an den Wundermittelchen liegt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht und deshalb hab ich mir, wie immer bei komplexen medizinischen Themen, eine Expertin ins Boot geholt. Dr. Livia Zanardo ist Fachärztin für Dermatologie, Mitglied der GSAAM und die perfekte Person, um Ihr die Frage aller Fragen zu stellen: Kann man denn Haare nun wirklich lang züchten? Oder ist das Ganze doch eher ein Märchen?

Kann man denn Haare nun wirklich lang züchten? Oder ist das Ganze doch eher ein Märchen?

Frollein Herr: Das Wichtigste gleich vorneweg: Kann man Haare denn nun eigentlich lang „züchten“?

Dr. Livia Zanardo: „Ja, das kann man. Wenn man durch Lebensstil und äußere Umstände, dafür sorgt, dass es dem Körper an nichts fehlt. Haare sind für den Körper Luxus. Zuerst muss er aber schauen, dass alle lebenswichtigen Funktionen aufrechterhalten werden können, erst dann hat er Kapazität für die Haare. Über die genetische Anlage hinaus kommt man aber nicht.“

F.H.: Also ist es genetisch vorbestimmt, wie lange die Haare wachsen können?

L.Z.: „Leider ja. Und zwar bei jedem einzelnen individuell. Bei einem wachsen die Haare bis zur Hüfte, beim anderen eventuell nur bis zu den Schultern. Das Haarwachstum verläuft in 3 Phasen: Wachstumsphase, Ruhephase und Ausfall. Die Wachstumsphase ist für die Länge der Haare entscheidend. Sie beträgt 2-8 Jahre. Durchschnittlich sind es etwa 5-6 Jahre in der die Haare wachsen. Weiterhin kommt es auf die Wachstumsgeschwindigkeit an. Diese liegt etwa bei 1-1,5 cm pro Monat. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die dann im Guinnes-Buch der Rekorde stehen.“

F.H.: Welche anderen Faktoren bestimmen denn das Haarwachstum?

L.Z.: „Neben der Genetik bestimmt auch die körperliche Gesundheit, bzw. die optimale Nährstoffversorgung des Körpers, das Haarwachstum. Wie bereits erwähnt, sind Haare echter Luxus für den Körper und deshalb produziert er sie nur wenn alles stimmt und er übrige Reserven hat.“

F.H.: Was halten Sie von Produkten, die das Haarwachstum förden sollen?

L.Z.: „Über die individuelle Genetik kann bisher kein Präparat hinweghelfen. Wohl aber optimieren. Wachstumsprobleme kommen immer dann zu Stande, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Dann kann es durchaus sinnvoll sein zu Produkten zu greifen, die das Haarwachstum fördern. Leider gibt es so viele mögliche Störungen, dass eine bestimmte Ursache nicht immer gefunden werden kann. Die häufigsten sind erblich bedingte Haarprobleme, Nährstoffmangel, Stress, Krankheit, Medikamenteneinnahme, Hormonmangel und ungesunder Lebenswandel.“

F.H.: Welche Inhaltsstoffe können dabei helfen?

L.Z.: „Die Wahl der Inhaltsstoffe hängt von der jeweiligen Ursache für Wachstumsprobleme ab. Da aber bei Störungen vor allem die Wachstumsphase verkürzt wird, zielen die meisten Wirkstoffe auf eine Verlängerung der Wachstumsphase ab. Der bekannteste Wirkstoff ist Minoxidil. Nährstoffe und Haarbausteine bilden eine weitere große Gruppe an Wachstumshelfern. Oft sind mehrere Inhaltstoffe kombiniert um ein besseres Ergebnis zu erreichen. L-Cystin und Keratin sind Bausteine der Haare – Koffein und Ginkgo fördern die Durchblutung und den Stoffwechsel. Vitamine (B,D,Biotin) und Mineralstoffe (Zink, Eisen, Kupfer, Magnesium, Silizium) fördern bei einem Mangel das Wachstum. Wenn kein Mangel vorliegt bringt auch eine hochdosierte Einnahme von Wirkstoffen nichts.“

F.H.: Wie oft sollte man die Haare schneiden, damit sie besonders lang und gesund werden?

L.Z.: „Durch den richtigen Haarschnitt lässt sich die optische Fülle der Haare beeinflussen. Das heißt, der Friseur kann dafür sorgen, dass das Haar fülliger aussieht. Regelmäßiges Spitzenschneiden lässt das Haar obendrein gesünder aussehen, da es nicht so „ausgefranst“ aussieht. Die Gesamtlänge wird aber mit jedem Haareschneiden kürzer, da die Haarlänge von der Länge der Wachstumsphase abhängt und diese endlich ist und sich nicht durch Schneiden beeinflussen lässt. Im Gegenteil, wer das Maximum an Haarlänge haben möchte sollte die Haare gar nicht schneiden. Vorausgesetzt natürlich die Haare sind gesund – sonst brechen sie irgendwann einfach ab. Ist das Ende der individuellen Haarwachstumsphase erreicht geht das Haar in die Ruhephase über und fällt nach etwa drei Monaten aus.“

F.H.: Inwiefern spielen dabei Hormone eine Rolle?

L.Z.: „Bei jungen Frauen wachsen die Haare besonders gut, weshalb viele eine wallende Mähne haben. Volles, langes Haar ist Zeichen für einen optimalen Hormonstatus und damit Zeichen für Fruchtbarkeit und Jugend. Hormonelle Beeinträchtigungen können durch die Pille, Schwangerschaft und die Wechseljahre auftreten. Ein großer Teil an Haarwachstumsstörungen lässt sich auch auf eine Schilddrüsenhormonstörung zurückführen. Der hormonell erbliche Haarausfall lässt sich auf eine deutliche Verkürzung der Wachstumsphasen durch Dihydrotestosteron (DHT) zurückführen. Auch hier erreichen die Haare nicht mehr Ihre gewohnte Länge.“

F.H.: Meine Haare sind seit ein paar Jahren länger, als sie es je zuvor waren. Woran könnte das liegen?

L.Z.: „Ein gesünderer Lebensstiel und/oder bessere Versorgung mit Nährstoffen. Vielleicht haben Sie aufgehört zu Rauchen, ernähren sich jetzt gesünder oder haben weniger Stress. Auch eine glückliche Partnerschaft kann Stoffwechselprozesse im Körper optimieren.“

F.H.: Gibt es bestimmte Nahrungsmittel, die das Haarwachstum fördern?

L.Z.: „Im Grunde ist es vor allem eine gesunde und ausgewogene Ernährung die das Haarwachstum fördert. Da prinzipiell viele Vitamine und Mineralstoffe am Haarwachstum beteiligt sind ist eine bunte Mischung aus Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, frischem Obst und Gemüse und hochwertigen Proteinen der Garant für gesundes und langes Haar.“

Mein Fazit

Vielleicht hat Rapunzel ja weder geraucht, noch sonderlich viel Pizza gegessen. Wie auch immer – es gilt, wie so oft in Sachen Beauty: Wer auf sich achtet, sich gesund ernährt und den Körper mit dem versorgt, was er braucht, der kann tatsächlich das Wachstum der Haare beeinflussen. Ich muss sagen, dass sich in meinem Fall keine der von der Ärztin genannten Punkte in den letzten Jahren groß verändert haben. Aber wer weiß das schon immer so genau. Ich baue inzwischen auf jeden Fall auf ein paar Produkt-Helferlein, die meinem Haar Gutes tun. Wunder gibt es dahingehend sowieso nicht, aber ein bisschen Unterstützung hat ja noch keinem geschadet. Deshalb kommen hier ein paar Produkte, auf die ich entweder selbst schwöre, oder von denen ich aus meinem Umfeld viel Gutes gehört habe. Falls Ihr davon etwas bereits kennt oder ausprobiert, freue ich mich über Feedback!

Rapunzels Essentials

Flüßiges Nahrungsergänzungsmittel mit Silizium, Biotin und Hyaluronsäure: „The Hair Molecule“ von FOUNTAIN, um 49 € 

Verlangsamt den Alterungsprozess des Haars: „Pre-Wash Treatment“ von MICHAEL VAN CLARKE, um 41 €

Serum mit Koffein-Komplex, der das Haarwachstum stimuliert: „Hair Growth Serum Intense“ von GROW GORGEOUS, um 50 €

Pflegt die Kopfhaut und vermindert Haarausfall mit ätherischen Ölen: „Detox Serum“ von ELIZABETHA ZEFI, um 72 €

Auf die Kapseln aus der Apotheke schwören sehr viele meiner Kolleginnen : „Pantovigar“, um 27 € (muss ich auch dringend bald testen)

Verhindert zwar nicht den Haarausfall, reduziert aber den Haarbruch und lässt die Haare so länger wachsen: „Dream Length Shampoo“ von ELVITAL, um 3 €

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Comments

  • 18. Mai 2018
    reply

    Super Artikel! Haare sind bei mir auch ein leidiges Thema, aber eher weil mir oft der Kopf juckt und viele Shampoos das Haar so platt machen. Was ich liebe sind Haarseifen. Die besten und schönsten weit und breit sind von https://www.mariongarz.de/, nur natürliche Inhaltsstoffe und keine Plastikverpackung und trotzdem so hübsch anzuschauen! Da juckt nichts mehr, die Haare glänzen und haben mega Grip!

  • 6. Januar 2021
    reply
    Julia

    Hallo
    Der Tread ist zwar schon etwas älter
    Aber Ich wollte mal ein paar Erfahrungen teilen.

    Ich habe lange blonde Haare
    Zeitweise früher immer immer wieder Probleme mit Haarausfall Trockenheit und Bruch zu tun gehabt
    Ich habe ein Vermögen ausgegeben und war sogar in einer ,,Haarklinik“
    Sämtliche Nahrungsergänzungen usw. Geschluckt trotzdem Ausfall ohne Ende und immer kopfhautprobleme.
    Dann irgendwann auf Naturkosmetik umgestiegen total strickt auf jedes Silikon verzichtet.
    Nach einem Jahr dann komplett ruiniertes Haar :(( Alles völlig kaputt kurze frizz Stücke oben am Kopf einfach schrecklich.

    Dann stellte meine Friseurbekannte ihren Shop auf Produkte von Lanza um (recht teuer)
    Diese haben dann wirklich gerettet was zu retten war.
    Nach langem hin und her habe ich dann den Übeltäter der ganzen Probleme gefunden
    Und zwar SLS
    Sodium lareth/lauryl sulfate
    Diese Reinigungsteniside sind in fast jedem Shampoo enthalten auch in sehr teuren
    Sie sind sehr stark entfettend und gleichem einem Waschmittel:/
    Sie führen zu massiven Kopfhautproblemen
    Juckreiz Schuppenbildung
    Und extreme haar Trockenheit und Bruch.
    Es ist nicht der Hype um dem Silikon nein in keinem Fall
    Die Probleme verursacht das Shampoo
    Ihr müsst auf Sulfatfrei achten.
    Oftmals werden Shampoos als so mild und schonend angeboten und dann die Inc Liste SLS da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Mittlerweile nutze ich ständig quer Beet andere sulfatfreie Shampoos ohne jegliche Kopfhautprobleme
    Auch ist mein Haar nicht mehr trocken sondern extrem weich

    Wer schönes ungefärbtes Natur haar hat kann auch prima bei Naturkosmetik bleiben diese ist generell auch immer ohne SLS und Silikone.
    Ich habe jedoch blondiertes Haar und brauche das Silikon zum Schutz und zur versiegelung.
    Ich habe null Probleme mit build up oder nur optisch schönem Haar 😉
    Ich wasche 4x die Woche da ich mich so wohler fühle.
    Wenn ich am folgetag wieder waschen muss klatsche ich abends ordentlich Zeugs in meine Haare manchmal reines Rizinusöl
    Oder auch echte Silikonbomben.
    Bis ich mit meinem Fingern nirgends mehr hängen bleibe.
    Und dann zu einem Zopf flechten der unten offen bleibt,Den Zopf reibe ich dann nochmals mit pflegeprodukten ein.
    Am Folgetag beim waschen sind dann keine Haare im Sieb und ganz wenige in der Bürste.
    Was früher Büschelweise waren

    Also Silikone JA bei gefärbten oder blondiertem Haar
    Sulfate NEIN
    Bei keinem Haar
    Beachtet das Sulfatfreie Shampoos deutlich milder sind und nicht so extrem schäumen.
    Ich nehme immer eine leere Flasche mit 1/4 Wasser gebe hier etwas Shampoo bei und reinige dann erstmal grob durch.
    Dann noch etwas Shampoo pur auf die Handflächen und die kopfhaut damit durchreinigen.
    Danach natürlich immer Conditioner
    Und ein leave in
    Haare nur mit einem groben lockenkamm im nassen Zustand leicht kämen.

    Ich hoffe Ich konnte dem ein oder anderen hier helfen

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