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Frollein Herr

Kolumne: Toxic relationships

Toxisch, giftig, destruktiv – welchen Namen auch immer wir dieser einen, ganz besonderen Art der Beziehung nun geben möchten – sie ist und bleibt schlecht für uns. Diese Beziehung macht uns klein, lässt uns an uns selbst zweifeln, bereichert unser Leben nicht oder schlimmer noch: verletzt uns. Ich denke, ich lehne mich hier nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass wir wohl alle schon mal in irgendeiner Form in einer solchen Beziehung gesteckt haben. Ob das nun eine Liebesbeziehung ist – eine, in der wir nicht wir selbst sein dürfen, ums Verrecken versuchen zu gefallen, nur um den lieben Frieden zu wahren und deutlich mehr geben, als wir zurückbekommen. Eine Freundschaft, die sich einfach nicht richtig anfühlt oder eine kollegiale Beziehungen am Arbeitsplatz, die uns tagtäglich die Laune verhagelt. Egal in welcher Gestalt eine toxic relationships auftritt, eines haben sie alle gemein: Sie nagen. Zunächst ganz leise und mit der Zeit immer lauter. An uns, an unserem Glück, an unserem Selbstwert, an unseren Vorstellungen von einer gesunden Beziehung – und kosten uns mehr, als wir zahlen können.

Denn um das jetzt schon mal ganz klar und deutlich zu sagen: Jeder Mensch, der dich um deinen Seelenfrieden bringt, hat nichts – also rein GAR nichts, in deinem Leben verloren.

Mein Weg zu dieser Erkenntnis war zugegebenermaßen lang. Sehr lang. Und schmerzhaft.

Er führte mich von einer destruktiven persönlichen Beziehung in die nächste. Da war der Typ, der noch nicht über seine Exfreundin hinweg war und mich am ausgestreckten Arm verhungern ließ, oder der, der mich von Grund auf ändern wollte und mein Selbstwertgefühl in nur wenigen Monaten bis auf die Grundmauern nieder riß. Da war die Freundin, die sofort zickig und verletzend wurde, wenn es nicht nach ihrer Nase lief, mich mit Liebesentzug strafte und mich so nach und nach dazu brachte, ihr nur noch gefallen zu wollen und mich selbst und meine Bedürfnisse komplett zu vergessen. Oder der Freundeskreis, der einfach ein wenig anders tickte als ich, gleichzeitig aber allumfassende Konformität verlangte und mich deshalb konstant unzulänglich fühlen ließ. Diese Geschichten liegen zum Glück in meiner Vergangenheit und ich habe weitestgehend meinen Frieden damit gemacht. Aber: Sie haben mich geprägt. Sie haben mich vorsichtiger gemacht, was Freundschaften und Beziehungen angeht und sie haben mich darin geschult, die Warnsignale einer toxic relationship früh zu erkennen. Denn auch wenn uns Menschen der Wunsch dazuzugehören natürlicherweise innewohnt, dürfen wir eines nicht vergessen:

Beziehungen dürfen mal schwer werden, mal fordern, mal weh tun. Aber sie sollte NIE NIE NIE an den Grundmauern Eurer Person nagen.

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Attention? #itsanewday #fridayfeels #wordsofwomen

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Tut Euch eine Person oder eine Situation nicht gut, dann ist es in Ordnung Abstand zu nehmen und auch mal egoistisch zu sein. Denn: Zu einer Beziehung, ob Freundschaft oder Liebe, gehören immer zwei und das gilt auch für toxische Beziehungen! Sprich: Es muss nicht zwangsläufig die Schuld nur einer “bösen” Person sein. Klar, es gibt diese Menschen, die ihren einzigen Selbstwert aus dem Niedermachen anderer Leute ziehen. Die es nicht lassen können, sich selbst immer ins Beste Licht zu rücken, auch wenn man dafür andere mit dem Ellenbogen aus dem Weg schubsen muss. Diese Menschen nenne ich Blutsauger, weil sie es wirklich in kürzester Zeit schaffen, dass man sich schlecht fühlt und gar nicht so recht weiß, wie es dazu eigentlich kam. Selbst fünf Minuten mit einem solchen Menschen, machen aus guter Laune schlechte und aus Selbstwert Selbstzweifel.

Diese Menschen zu erkennen und zu umgehen, habe ich inzwischen zum Glück sehr gut gelernt. Aber meistens sind es nicht stereotypische Bösewichte, die einem in einer toxischen Beziehung begegnen. Häufig sind es einfach nicht kompatible Persönlichkeiten, unterschiedliche Erwartungen oder schlichtweg der falsche Zeitpunkt, der eine Beziehung toxischen werden lassen kann. Viel zu oft sind wir mit uns selbst nicht ganz ehrlich, schieben Zweifel und schlechte Gefühle beiseite und harren in einer Beziehung aus, statt für uns selbst einzustehen und einzusehen, dass es nicht passt. Statt zu gehen, bleiben wir und versuchen uns selbst so zu verändern, dass wir der Person oder Situation gerecht zu werden. Besonders in jungen Jahren, in denen man sich selbst vielleicht noch gar nicht so recht gefunden hat, kann dieses Ausharren in einer schmerzhaften Situation traumatisch sein. So war es zumindest für mich – z.B. als ich viiiiiiiel (und ich meine wirklich viiiiiiiel) zu lange bei einem Mann blieb, der mir ganz offensichtlich nicht gut tat. Das sahen meine Freundinnen, meine Familie und in den wenigen Augenblicken, in denen ich ehrlich zu mir war, sah ich das auch selbst. Aber gegangen bin ich nicht.

Das “nicht passen” oder “nicht gut genug sein” wird oft als Herausforderung interpretiert und so lange an sich selbst gedreht und geschraubt, bis man endlich passt. Diesem Verhalten liegt allerdings der Irrglaube zugrunde, dass irgendwann ein Zielpunkt erreicht werden kann, dass es irgendwann wirklich passt und danach alles gut wird. In Wahrheit kommt dieser Punkt allerdings nie. Und so bleibt man stecken, gefangen in einer zwischenmenschlichen Beziehung, die genau das Gegenteil von dem tut, was sie eigentlich sollte.

Statt Unterstützung zu bekommen, wird man klein gehalten, statt für das geliebt zu werden, was man ist, wird man kritisiert.

Ich kann heute sagen, dass meine Alarmlocken sehr schnell angehen, wenn ich merke, dass ein Mensch mir nicht gut tut. Dann nehme ich schneller reißaus, als du gucken kannst und schotte mich emotional ab, sodass die bad vibes der betreffenden Person gar keine Chance mehr haben. Manchmal aber ertappe ich mich auch heute noch dabei, dass eine bestimmte Person, die rein gar nichts falsch macht, negative Emotionen in mir auslöst und ich die Beziehung dennoch nicht abbrechen möchte. Dann heißt es abwägen und entscheiden, wieso diese negativen Gefühle entstehen. Was genau triggert diese Person in mir? Und macht sie das absichtlich? Was kostet es mich? Das sind für mich wichtige Fragen geworden, die mir helfen mich in solchen Situationen zurecht zu finden und so früh wie möglich zu erkennen, welche Muster, Emotionen oder Traumata der Vergangenheit hier zu Tage treten. Das ist nicht immer leicht, aber hey – so ist das Leben.

Wie bereits erwähnt: Es darf mal weh tun, es darf mal anstrengend werden, es darf dich mal erschüttern. Was es aber nicht darf, ist, dich in deinem Wesen wanken zu lassen. Dann ist und bleibt der einzige Ausweg ein Abschied. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum etwas gibt, dass das Selbstbewusstsein stärker macht, als sich aus einer toxischen Beziehung zu befreien. Ganz nach dem Motto:

“If it costs you your peace, it’s too expensive…”

 

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