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Frollein Herr

Ernährungs-Update

Nachdem ich Euch in den letzten zwei Jahren an meiner Ernährungsumstellung, der zunächst ominösen Gewichtszunahme, der darauf folgenden Diagnose und den schlussendlich purzelnden Kilos habe teilhaben lassen, finde ich, dass ich Euch mal wieder ein Update schuldig bin. Dieses Mal allerdings komme ich nicht mit “Es ist so einfach, wenn man nur will” um die Ecke, sondern muss mir und Euch nach über einem Jahr der angepassten Ernährung kleinlaut eingestehen:

Es ist verdammt schwer, das auf Dauer durchzuhalten.

War ich zu Beginn noch voller Motivation und Elan und habe mich vom sichtbaren und spürbaren Gewichtsverlust ermutigt gefühlt, so schwer ist es nun, den Status Quo zu halten. Wie Ihr ja wisst, ging es bei mir nur nebensächlich um die 10 Kilo, die ich mir in kürzester Zeit draufgefuttert hatte, sondern primär um meine Gesundheit. Denn wie im Sommer des vergangenen Jahres festgestellt wurde, habe ich eine Insulinresistenz. Das ist eine Vorstufe der Diabetes, bei der die gesunde Balance zwischen Blutzucker und Insulinausschüttung bereits in Mitleidenschaft gezogen ist, aber das Krankheitsbild der Diabetes noch nicht erfüllt wird. Eine Art Blick in die Zukunft, wenn man so will. Denn auch wenn ich keine in Stein gemeißelte Diät einhalten oder mir Insulin spritzen muss, ist klar, dass die Diabetes eine unausweichliche Folge wäre, wenn ich meinen Zuckerkonsum nicht anpassen würde. Deshalb wurde es im Sommer letzten Jahres höchste Eisenbahn etwas an meiner Ernährung zu ändern und vor allem mein bisheriges Essverhalten zu hinterfragen. Mehr dazu lest Ihr hier, hier oder hier. Das lief auch alles ganz wunderbar, 10 Kilos purzelten in wenigen Monaten und ich kam mit meiner neuen Routine wunderbar zurecht. Um ganz ehrlich zu sein, ging es sogar so leicht, dass ich mich wirklich fragte, was daran eigentlich die Schwierigkeit sein sollte. Ziemlich arrogant, wie ich jetzt feststelle, denn:

Nach über einem Jahr, Umzugsstress, Urlauben und gaaaaanz viel Routine, bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich einfach nur rufen möchte: “Ich weiß – aber PIZZA!”

Es ist doch so: Die anfängliche Motivation auszukosten, die kleinen und großen Erfolge zu sehen, das ist nur die halbe Miete – und genau das ist es auch, was viele kurzfristige Diäten scheitern und den Frust wachsen lässt. Spätestens als ich wieder bei meinem “Normalgewicht” angelangt war, blieben die Veränderungen aus und ich tat mich sehr schwer damit, mich selbst weiter zu motivieren. Aus der 5 zu 2 Regel (5 Tage an den Plan halten und 2 Tage essen wie man will) wurde immer öfter ein 4 zu 3 oder auch mal ein 5 zu 2. Sagen wir es, wie es ist: Ich habe mich beschissen! Habe mir eingeredet, dass diese eine Tüte Haribo schon nicht schaden wird und dass Pizza mich halt einfach glücklich macht.

Aber: Irgendwann blieb von meinem Ernährungsplan nicht mehr übrig als ein leeres Gerüst!

Ja, ich habe jetzt wieder ein paar mehr Kilos drauf, als noch vor einigen Monaten. Aber das ist es nicht, das mich beschäftigt. Schließlich hat auch mein Arzt mir nie ein Zielgewicht vorgegeben. Es geht um meine Gesundheit und um mein Bauchgefühl (im wahrsten Sinne des Wortes), denn: Sobald ich ein paar Abende hintereinander mal zu viele Kohlehydrate esse, verwandelt sich mein Bauch in einen Medizinball, der regelrecht schmerzt. Unschön: ja. Aber vor allem unangenehm.

Dann ärgere ich mich über mich selbst, über den Medizinball in meinem Bauch, die Lebensmittelindustrie mit all den Leckeren Produkten, die mich beim Einkaufen anstarren und verteufle Gott und die Welt. Vor allem aber mich, weil ich meine Disziplin verloren zu haben scheine. Zu meiner Verteidigung muss ich aber darauf verweisen, dass Zucker im Hirn genauso wirkt wie Rauschmittel und man ganz schnell wieder in der Sucht drinnen steckt. Und wenn man einer Sucht auch nur den kleinen Finger reicht, steckt man im Handumdrehen wieder knietief drinnen.

Dann klingen “Ernährungsumstellung” und “Gesundheit” bei weitem nicht so gut wie “Pizza”!

Und wie kam das? Um ehrlich zu sein, schiebe ich ganz schön viel auf den Umzug. Vor lauter Stress und den unzähligen Tagen, die wir bei Ikea oder im Baumarkt verbracht haben, war an ein geregeltes und ausgewogenes Essverhalten einfach nicht zu denken. Schließlich findet man in den Industriegebieten selten ein gesundes Restaurant, dafür aber zehn McDonalds. Vor lauter Bequemlichkeit und Praktikabilität habe ich also locker gelassen und war binnen weniger Wochen wieder gefühlt da, wo ich vor über einem Jahr gestartet bin.

Und wieso erzähle ich Euch das? Ganz einfach: Zur Selbstmotivation habe ich mir meine bisherigen Artikel zu diesem Thema nochmal durchgelesen und musste feststellen, dass ich wie ein ziemlich nerviger Streber klang. Ich habe zwar nie geschwindelt (wie gesagt, zu Beginn fiel es mir wirklich so leicht), aber ich habe Euch ausschließlich von meinen Erfolgen berichtet. Deshalb ist es auch mal Zeit, die Misserfolge mit Euch zu teilen. Die Situationen, in denen mein Hirn halt einfach nur “Pizza” (wahlweise auch “Glühwürmchen” oder “Ginger Ale”) schreit und das ungute Gefühl, wenn man dem zu oft nachgibt. Ich kämpfe derzeit ein wenig mit mir, meinem Alltag, meinen Gewohnheiten und den kleinen Belohnungen, die mir doch schon sehr fehlen.

Es ist nicht leicht seine Ernährung umzustellen. Und das Leben wird wahrscheinlich jeden von uns früher oder später mal dazu bringen, vom Kurs abzuweichen. Trotzdem möchte ich nicht vergessen, warum ich das Ganze eigentlich gestartet habe. Und versuche derzeit meine Motivation wiederzufinden. Wie das so in den nächsten Wochen weitergeht? Ich halte Euch definitiv auf dem Laufenden. Aber ich bin guter Dinge.

Und zwar nicht, weil meine Hose kneift, sondern weil es um meine Gesundheit geht!

Comments

  • 20. Oktober 2019
    reply
    Yanna

    Tausend dank für diese ehrlichen Worte! Es ist oft gut zu wissen, dass man nicht alleine ist mit solchen Gedanken und dass eigentlich niemand perfekt ist ☺️

  • 20. Oktober 2019
    reply
    Sarah

    Liebe Karoline,
    auch ich bedanke mich für deine ehrlichen Worte! Es ist leider einfach so, dass wohl die meisten unter uns mehr oder weniger bewusst in alte Gewohnheiten zurückfallen. Gerade in stressigen Zeiten passiert es schnell, dass sich wieder Verhaltensweisen einschleichen, die man eigentlich dachte abgelegt zu haben… Es ist einfach menschlich, ABER: Einsicht ist ja bekannterweise der erste Schritt zur Besserung. Zumindest gibt es einem die Chance, sich wieder neu zu fokussieren. Einfach ist es nicht, aber wie heißt es so schön ?! “If it doesn`t challange you, it doesn`t change you”. In diesem Sinne, hab einen guten Start in die neue Woche!
    Lieben Gruß, Sarah

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