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Frollein Herr

Job-Talk mit Alexa von Heyden

Nachdem meine neue Rubrik Und was machst du so mit Architektin Deea so wunderbar gestartet ist und auch bei Euch sagenhaft gut ankam, geht es heute direkt weiter. Und zwar mit einer Frau, von der sich jede Journalistin, jeder Blogger und (in meinen Augen) überhaupt jeder eine dicke Scheibe abschneiden kann: Alexa von Heyden!

Sie ist ein echter Tausendsassa. Schreibt als Journalistin für zahlreiche Publikationen, hat bereits 4 (!) Bücher veröffentlicht, ein Haus in Brandenburg renoviert, ein Kind bekommen, bloggt mit viel Leidenschaft und Expertise und influenced mindestens genauso erfolgreich. Ich habe Alexa in meiner Zeit bei ELLE kennengelernt und auch wenn wir uns leider eher selten über den Weg laufen, beobachte ich sie (Instagram & Co. sei dank), ihre Vorhaben und Erfolge seit Jahren mit viel Bewunderung.

Deshalb war es mir auch ein besonders großes Anliegen, sie für diese Kategorie zu gewinnen, da Alexa einen sehr umfangreichen Einblick in die Medienbranche bieten kann und den ganzen Modezirkus selbst nicht zu ernst nimmt. Alexa ist Journalistin first und begreift ihr (und auch mein) Metier als das was es ist: ein Handwerk! Wer also mit dem Gedanken spielt, das Schreiben zum Beruf zu machen oder es bereits tut, der sollte jetzt besonders gut aufpassen!

Job-Talk mit Alexa von Heyden
Foto: Lukas Schramm

Wie genau lautet deine Jobbezeichnung bzw. dein Titel?

Ich bin Journalistin, denn das habe ich studiert: Erst Modejournalismus an der AMD in Hamburg und dann Kulturjournalismus an der Berliner UdK. Außerdem habe ich vier Bücher auf den Markt gebracht, darunter ein Spiegel-Bestseller („Hinter dem Blau“). Gute Texte sind also meine Kernkompetenz. So wie viele selbstständige Schreiber habe auch ich einen Blog Alexa Peng und zwei Instagram-Accounts, die ich pflege: Mein persönlicher Alexa von Heyden und Villa Peng, wo es um unseren Hausausbau und Interior geht. Ich bin also Journalistin/Buchautorin/Bloggerin/Influencerin. Wobei ich mich niemals so vorstellen würde.

Und wie bist du geworden was du jetzt bist?

Meine Vita ist auf jeden Fall länger als drei Word-Seiten! Ich habe viele Stationen hinter mir, denn durch die anhaltende Medienkrise habe ich immer wieder neu anfangen müssen. Ich zähle zu der Generation von Journalisten, die noch im Printbereich gestartet ist und jetzt online arbeitet. Das Gute war, dass ich mich auf meine Ausbildung und Talent verlassen konnte und aufgrund meines großen Netzwerkes immer was Neues gefunden habe. 

Job-Talk mit Alexa von Heyden
Foto: Lukas Schramm

Wusstest du immer schon, dass du das beruflich machen möchtest?

Nee, unsere Berufe heute sind ja auch erst neu entstanden. Ich wollte eigentlich Modedesignerin werden. Karl Lagerfeld war mein Idol. Aber ich kann weder zeichnen, noch nähen. Zum Modejournalismus kam ich über Umwege, wobei Schreiben mein einziges echtes Talent ist. Ich hatte als Kind schon viel Fantasie und mir verrückte Geschichten ausgedacht.

Und wie können wir uns deinen Arbeitstag vorstellen?

Ich lebe seit zwei Jahren in Brandenburg und muss nur die Treppe hoch in mein Home Office gehen – dann setze ich mich an den Rechner und arbeite durch. Da ich eine kleine Tochter habe, ist das ideal, da ich keinen langen Weg zur Arbeit habe. Trotzdem stehe ich jeden Tag unter Zeitdruck, da um 15.30 Uhr die Kita vorbei ist. Bis dahin muss also alles erledigt sein. Event-Einladungen am Abend in Berlin schaffe ich meistens nicht, da mein Mann in der Gastronomie arbeitet und erst spät nach Hause kommt. Vormittags geht es bei mir also um Mode, Beauty und Interior. Ab 15 Uhr haben Peppa Wutz und das Sandmännchen das Sagen.

Job-Talk mit Alexa von Heyden
Foto: Lukas Schramm

Was sind die größten Herausforderungen in deinem Job?

Die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen. Und jeden Tag gute Ideen zu haben.

Wie hältst du es mit Performancedruck oder Selbstzweifeln?

Der Thrill gehört für mich als Kreative dazu. Sonst könnte ich auch bei der Post Briefmarken verkaufen. Ich bin bei allen meinen Texten unsicher, ob sie gut sind. „Du bist nicht dein Text“, war für mich eine der wichtigsten Lektionen im Berufsleben. Wenn es Kritik gibt, dann versuche ich sie neutral aufzunehmen und besser zu werden, statt wie ein kleines Kind beleidigt zu sein.

Das Schöne ist: Journalismus ist ein Handwerk. Man kann es lernen.

Job-Talk mit Alexa von Heyden
Foto: Lukas Schramm

Was würdest du jungen Mädchen raten, die diesen beruflichen Weg einschlagen möchten?

Bitte zuerst von falschen Vorstellungen verabschieden: Guter Journalismus ist nur manchmal glamourös. Man sitzt vor allem viel alleine vor dem Bildschirm. Reisen, Presse-Geschenke und Event-Einladungen sind erfreulich, meist aber den Führungspositionen oder den aktuell angesagten Influencern vorbehalten. Ich werde oft nicht eingeladen, auch wenn ich seit Jahren die meisten Texte schreibe. Man muss sich daran gewöhnen, in der 2. Reihe zu stehen.

Instagram suggeriert, dass ein hübscher Account ausreicht, um sich mit Anfang 20 eine Chanel-Tasche leisten zu können. Als berufliches Ziel finde ich das enttäuschend. Wozu dann das Empowerment und der neue Feminismus?! Wir müssen doch mehr wollen, als nur Handtaschen. Viele Frauen wollen tatsächlich nur in der Mode arbeiten, weil sie sich gerne materiell bereichern.

Die Press Days, denken viele, sind dazu da, um Geschenke abzugreifen. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit neuen Designern, nachhaltigen Materialien oder den gesellschaftlichen Einfluss von Trends findet nicht statt.

Als Modejournalistin finde ich das betrübend. Den meisten geht es immer nur darum: Will ich es haben oder will ich es nicht haben? Meiner Meinung nach ist es wichtig, eine solide Ausbildung zu machen und eine echte Kompetenz in einem Bereich zu erlangen. Eine Journalistenschule und/oder Studium sind also ein Muss. Außerdem sollte man sich ein Sujet suchen, dass nicht alle machen wollen. Also nicht unbedingt nur Mode, sondern vielleicht auch noch was Zeitgemäßes wie Technik, Nachhaltigkeit oder ein handwerklicher oder medizinischer Background, wenn es z.B. um Interior oder Beauty geht. 

Die neuen Medien verlangen heutzutage außerdem, dass man Videos selber drehen und Podcasts machen kann. Ein technischer Fokus ist also auch total wichtig. Social Media, WordPress, Photoshop und CMS-Systeme muss jeder heute im Schlaf bedienen können. 

Job-Talk mit Alexa von Heyden
Foto: Lukas Schramm

Welche 3 Eigenschaften sind deiner Meinung nach unerlässlich für deinen Job?

Rechtsschreibung & Grammatik, Allgemeinbildung, Kritikfähigkeit.

Der beste Karrieretipp, den du je erhalten hast?

Ich habe zwei!

Nr. 1: „Dont’t blog for Handbags.“

Nr. 2 „Dont’ work for assholes. Don’t work with assholes.“ 

Nr. 1 stammt von Elin Kling, als sie noch Bloggerin war. Die Schwedin und heute Designerin von Toteme hat früh erkannt, dass Blogger die Modebranche verändern werden. Und dass es ein Fulltime-Job ist. Handtaschen kann man aber nicht essen. Also sollte man sich als Blogger oder Influencer nicht nur mit Sachspenden zufrieden geben, sondern so gut bezahlen lassen, dass die Miete gedeckelt ist. 

Nr. 2 habe ich von Sissi Hardenberg gelernt. Ich habe oft unter Vorgesetzten gelitten, die mich und meine Kollegen mit ihren nicht vorhandenen Führungsqualitäten und immenser Selbstüberschätzung gequält haben. Ich dachte lange, dass ich das aushalten muss, um Geld zu verdienen. 

Seitdem ich Mutter geworden bin, habe ich keine Kapazitäten mehr für Bullshit und mich konsequent aus perspektivlosen Arbeitsverhältnissen verabschiedet. Ich bin ein Teamplayer und will für die besten und erfolgreichsten Magazine arbeiten. Da mache ich keine Kompromisse mehr. Dieses berufliche Ziel für mich selbst zu formulieren, war total wichtig.

Der Branche steht eine großen Veränderungen bevor: Das gegenseitige Empowerment von Frauen, aber auch Moral und Ethik in Hinblick auf das menschliche Miteinander werden immer wichtiger. Wer als Unternehmer auf Mitarbeiter angewiesen ist und wachsen will, kommt in Zukunft an diesen neuen Maximen nicht mehr vorbei. 

Was wärst du wohl geworden, wenn du nicht diesen Weg eingeschlagen hättest?

Floristin, Frauenärztin oder Physiotherapeutin. Zu Erklärung: Ich liebe Blumen, aber meine Mutter wollte, dass ich studiere. Sie war 40 Jahre lang voller Leidenschaft für ihren Beruf als Frauenärztin. Das bewundere ich. Physiotherapeuten werden in Zukunft noch stärker gefragt sein. Das Thema Gesundheit interessiert mich sehr.

Was sind deine Pläne/Wünsche für die Zukunft?

Nochmal einen Bestseller schreiben und eines Tages vielleicht Lehrerin für Deutsch in Brandenburg werden. Ich würde meine Begeisterung für die Schönheit der deutschen Sprache gerne an die nächste Generation oder auch an Menschen aus fremden Ländern weitergeben. Das würde mich wirklich mit Stolz erfüllen.

Comments

  • 17. Oktober 2019
    reply
    Sabrina

    Danke für dieses überaus grandiose Interview. Nicht nur, weil ich selbst als Texterin arbeite, sondern weil auch viele Dinge, die gerade durch die Social Media als Standard verkauft werden, hier mal wieder gerade gerückt werden.

  • 24. Oktober 2019
    reply
    Frieda

    Wow, kluges Interview. Insbesondere die Anmerkungen zum Wert der eigenen Arbeit, Ausbildung und materieller Bereicherung habe ich nicht einfach überflogen, sondern machen das Interview zu etwas wertvollem.

  • 13. November 2019
    reply

    Lexi is the best!!! Tolle neue Rubrik und ein schönes Interview!

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