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Frollein Herr

Apothekenkosmetik

Vor einigen Wochen fragte mich eine Leserin eine simple und trotzdem wahnsinnig spannende Frage: “Ich bin seit Jahren treue Kundin von Hautpflegeprodukten aus der Apotheke und frage mich gerade wieso dort eigentlich nicht jeder kauft. Schließlich müssen Apotheker und Dermatologen doch am besten wissen, was für unsere Haut gut ist.”

Puh – da hat sie mich, um ehrlich zu sein, wirklich kalt erwischt, denn: Ich habe ich mir darüber bisher nie so richtig viele Gedanken gemacht. In die Apotheke bin ich in Sachen Hautpflege eigentlich nur gegangen, wenn es ein echtes Problem gab: Akne, trockene Haut oder wie kürzlich wegen meiner Perioralen Dermatitis.

Aber klar – wir kaufen unsere Medikamente in der Apotheke – wieso nicht also auch unsere Haut in die vertrauenswürdigen Hände von Ärzten und Apothekern legen?

Höchste Zeit also, dem Thema ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und mein Netzwerk zu mobilisieren. Welche Pro’s und Contra’s gibt es? Wer fühlt sich von Apothekenkosmetik angesprochen und wer nicht? Und vor allem: Was sagen eigentlich Skincare-Experten dazu?

Apothekenkosmetik: Die Pro’s & Con’s

Der Preis

Verglichen mit Luxus-Skincare (wie z.B. Lancôme oder Dior) sind die Produkte aus der Apotheke natürlich bezahlbar, im Vergleich zu Drogerie-Giganten wie Nivea & Co. allerdings eher teuer. Ich habe erst kürzlich mein liebstes Mizellenwasser von Bioderma in der Apotheke nachgekauft und stolze 14 € dafür bezahlt. Ein vergleichbares Produkt von Garnier bekommt man hingegen in der Drogerie für 5 €. Jeder hat eine ganz eigene Einstellung dazu, wieviel er für Hautpflege ausgeben möchte oder kann. Sobald allerdings ein Leidensdruck dazu kommt, ist man sicherlich eher geneigt, die höheren Apothekenpreise zu bezahlen.

Das Marketing & Kauferlebnis

Will ich sterile, medizinische Produkte oder möchte ich Duft, Wellness und Luxus einer Lifestyle-Brand? Bei all den Kosmetikmarken da draußen, muss man sich als Kunde ja irgendwo positionieren – und da entscheidet man sich entweder für eine “gefühlige” Brand, die neben Produkten und Wirkstoffen auch noch einen Lifestyle vermittelt oder für lösungsorientierten Marken wie Avène, La Roche Posay oder Bioderma.

Die Wirksamkeit

Einen ganz anderen Aspekt möchte ich hier aber auch zur Sprache bringen, denn es gibt einen Mythos, der sich in Sachen Apothekenkosmetik hartnäckig hält und dem ich bisher auch aufgesessen bin. Nämlich: Durch den hohen Anspruch der Verträglichkeit werden bestimmte Wirkstoffe weggelassen – das geht auf Kosten der Wirksamkeit. Sprich: Lasse ich alle potentiell reizbaren Wirkstoffe weg, dann geht eventuell auch der Benefit flöten.

Problemhaut

Leidet man unter starken Hautproblemen, Unverträglichkeiten oder sensibler Haut, führt selbstverständlich kein Weg an der Apotheke vorbei. Was ist allerdings mit all denen, die eine “normale” Haut haben? Sind die in der Apotheke auch richtig aufgehoben oder fühlen sie sich vielleicht sogar abgeschreckt vom medizinischen surrounding in der Apotheke?

Apothekenkosmetik: Das sagen die Experten

So gerne ich auch würde – alle Fragen kann ich natürlich nicht alleine beantworten. Und genau deshalb habe ich dieses Mal nicht einen, sondern gleich mehrere Experten zu Rate gezogen. Ich wollte ein möglichst umfassendes Bild über die Thematik bekommen und habe deshalb Dermatologen, Apotheker und Kosmetikerinnen nach ihrer professionellen Meinung zum Thema Apothekenkosmetik gefragt.

Für welchen Kunden ist Hautpflege aus der Apotheke geeignet? 

 “Apotheken-Kosmetik ist für alle Hauttypen geeignet. Jedoch zielt natürlich gerade Apotheken-Kosmetik auf die pathologischen Hauttypen, sprich Kunde/innen mit einer sehr empfindlichen Haut oder einer Haut, die zu gewissen Krankheiten neigt (wie z.B. Akne, Rosacea, Neurodermitis etc.) ab. Der Vorteil der Apotheken-Kosmetik besteht auch darin, dass das Apotheken-Personal besonders intensiv geschult ist und so die geeignete Pflege für die Bedürfnisse der Haut rausgesucht werden können.” (Judith Horzel, Apothekerin und Senior Medical Manager bei Pierre Fabre Demo-Kosmetik)

Der Fokus bei Apothekenkosmetik liegt ja auf der Verträglichkeit. Welche Inhaltsstoffe werden dafür weggelassen?

“Reizende Inhaltsstoffe sind oft Zusatzstoffe zur Konservierung, für die Konsistenz der Produkte, oder für eine schönere Färbung und einen ansprechenden Duft. Die Hauptbestandteile der klassischen Pflegeprodukte in der Apotheke lösen seltener Hautreaktionen aus, daher sind diese Produkte besonders für anspruchsvolle Haut und Problemhaut geeignet, da sie sich auf die wichtigsten Inhaltsstoffe beschränken.” (Stephanie Kühne, easyApotheke Straubing & Freising)

Steht hinter Apothekenmarken automatisch auch ein oder mehrere Dermatologen?

“Die Bezeichnung `dermatologisch getestet´ werden Sie auf den meisten Produkten finden. Hersteller von hochwertiger Apothekenkosmetik lassen die Rezepturen in ihren Laboren von Fachleuten erstellen. Dazu gehören oft Dermatologen, aber natürlich auch Pharmazeuten. Bei uns schließt sich damit quasi der Kreis.” (Stephanie Kühne, easyApotheke Straubing & Freising)

Was ist wenn ich „normale“ Haut habe? Bin ich dann in der Apotheke auch richtig aufgehoben?

“Oftmals ist weniger einfach mehr. Deshalb schicke ich meine Kundinnen auch hin und wieder in die Apotheke. Wenn man aber eine völlig unauffällige und normaler Haut hat, hat man natürlich freie Wahl. Aber auch dann sollte nicht zu viel getestet und ausprobiert werden – das kann die Haut schnell irritieren. (Evi Weidel, Kosmetikerin und Inhaberin der beautery Munich)

Ein Vorurteil hält sich hartnäckig: Durch den hohen Anspruch an die Verträglichkeit von Apothekenkosmetik wird auf bestimmte Wirkstoffe und hohe Dosierungen verzichtet. Sind Hautpflegeprodukte aus der Apotheke deshalb weniger wirksam? 

“Ich glaube das Thema ist nicht so einfach. Man sollte auf alle Fälle zwei Kategorien unterscheiden: Die eine, die auf empfindliche Hauttypen abzielt und mehr als Basispflege gedacht ist und die andere, die eine Verschmelzung aus Kosmetik und Medizin darstellt und aufgrund ihrer höheren Wirkstoffkonzentration in Apotheken zu finden ist.
Ein Beispiel hierfür ist z.B. Skin Ceuticals, die für Ihre Wirkstoffkonzentrate bekannt sind und mit dem Verkauf über die Apotheken eine erhöhte Beratungsqualität sicherstellen möchte. 


Früher war es tatsächlich so, dass einige apothekenexklusive Serien wie z.B. Eubos, Eucerin etc. die Verträglichkeit im Vordergrund hatten und daher auf möglichst viele Inhaltsstoffe, auch spezifische Pflegestoffe und Wirkstoffe, verzichtet haben. Inzwischen gibt es aber auch von diesen Firmen Produkte mit Anti-Ageing Wirkstoffen, die in Ihrer Konzentration durchaus mit Drogerie-Ware vergleichbar ist.” (Livia Zanardo, Dermatologin)

Mein Fazit

Keiner der Experten meint also, dass man mit Hautpflege aus der Apotheke etwas falsch machen kann. Das ist doch schon mal was! Vor allem bei starken Hautproblemen oder wenn man unsicher ist, welche Pflege die richtige für einen selbst ist, halte ich es deshalb für ideal sich in der Apotheke ausgiebig beraten zu lassen und so viele Fragen wie nötig zu stellen. Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Apotheke nicht gleich Apotheke ist und ich für Hautpflegeprodukte immer Filialen aufsuche, die sich auch auf Skincare spezialisiert haben und ein breites Sortiment anbieten.

Hat man allerdings keinerlei Hautprobleme, reagiert nicht allergisch oder sensibel auf Duftstoffe oder wünscht sich ein wenig mehr von seiner Hautpflege, als nur die reine Pflegewirkung, dann gibt es viele, viele tolle Nischen- oder Luxus-Brands, bei denen man vielleicht besser aufgehoben ist.

Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich einigen Brands aus der Apotheke ab sofort ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken möchte. Besonders nach den Auf und Ab mit meiner PoD sprechen mich dermokosmetische Marken zur Zeit besonders an und ich freue mich auf viele tolle Produktneuentdeckungen aus dem Apothekenregal.

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Comments

  • 30. April 2019
    reply
    Viola

    Ich benutze viel Kosmetik aus der Apotheke, wie z.B. das Bioderma Mizellenwasser, das Avène Thermalwasser aber mein holy grail ist das “DermatoCLEAN” ein klärendes Gesichtswasser von Eucerin welches für alle Hauttypen geeignet ist. Ich habe viel ausprobiert und bin jetzt aber mit meinen Fläschchen aus der Apotheke sehr zufrieden. Ein schöner Artikel von dir – es war sehr interessant den zu lesen !!
    Ganz Liebe Grüße
    Viola ❤

  • 30. April 2019
    reply
    Alina

    Interessantes Thema!
    Der Gedanke in der Apotheke kosmetische Produkte zu kaufen, ist mir noch nicht gekommen. Ich hatte bisher aber auch nie wirklich Probleme mit meiner Haut & lege dann doch (vielleicht etwas zu viel 🙈) Wert auf die Ästhetik der Verpackungen. Es ist traurig, aber wahr & ich stehe dazu 😂
    Mein Beauty-Regal im Bad ist mir heilig

  • 30. April 2019
    reply
    Romy

    Hi Caro, man darg sich hier auch mal kritisch äußern, oder? Vorweg: Ich finde das Thema „Apothekenkosmetik“ super spannend, aber so viel weiter hat mich der Artikel jetzt nicht gebracht 😊 😬
    Abgesehen von Rezepten für Spezialcremes, die bspw. ein Dermatologe verschreibt und die Apotheke anmischt, bin ich der gleichen Meinung wie Du, dass sich bei den gängigen Marken (Vichy, La Roche Posay, Caudalie, Avène etc.) in den meisten Apotheken nur um eine Sortimentserweiterung handelt, aber fachkundige Beratung eher Fehlanzeige ist.
    Da muss man schon sehr genau suchen, um wen zu finden, der über das Ablesen der Packungsaufschrift beraten kann.

    Darüber hinuas habe ich mich über die letzten Jahre viel mit Inhaltsstoffen beschäftigt (als Laie!) und festgestellt, dass in einigen, der o.g. „Apothekenmarken“ ganz schöne Nasties drinnen stecken, die ich auf meiner Haut nicht haben will (von Paraffin, über Mikroplastik, Parabene etc.) und daher mit modernen Naturkosmetikbrands besser beraten bin. Das hat aber vmtl. einfach damit zu tun, dass Apotheken halt der Vertriebskanal dieser Marken sind, damit irgendwelchen Richtlinien entsprechen (das wäre nochmal interessant gewesen – warum werden welche Marken tlws. ausschließlich über Apotheken vertrieben?) und somit in der Wahrnehmung „medizinisch wertvoll“ sind, was ich für mich und meine ganz privat angrstellten Recherchen so nicht unterstreichen kann.

  • 30. April 2019
    reply
    Yanna

    Sehr interessanter Artikel mal wieder! Was mir leider negativ zu Apothekenkosmetik einfällt, sind die Tierversuche 😕
    Die sind nämlich bei apothekenexklusiven Produkten Pflicht! Mir ist klar, dass dies auch bei einigen Luxusbrands der Fall ist, aber da ich seit einigen Jahren auf Kosmetik mit Tierversuchen verzichte, kann ich in der Apotheke eigentlich nichts kaufen…
    Liebe Grüße und gerne mehr solcher Artikel 😍

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