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Frollein Herr

Beziehung: Wir müssen reden!

Ist auf diesen Satz je etwas Gutes gefolgt? In meiner Beziehung schon!

Es ist doch eigentlich ganz einfach: Möchte ich, dass mein Gegenüber etwas anders macht, habe ich ein Problem, das nur durch Kommunikation gelöst werden kann – dann muss ich den Mund aufmachen. Das gilt für Freundschaften, den Job, aber auch für Beziehungen.

Ich weiß ja nicht, wer sich die blödsinnige Weisheit “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” ausgedacht hat, aber in meinem Leben ist Reden Gold. Oder Platin, oder Palladium – keine Ahnung was davon jetzt wertvoller ist.

Na gut, ich gebe zu, dass auch mir eine klare Kommunikation über Gefühle, Bedürfnisse und Schwächen nicht immer leicht fiel. In meiner ersten Beziehung habe ich es nicht zustande gebracht, meinem Freund zu sagen, dass ich unglücklich bin. Dass ich mir nicht geliebt vorkomme. Dass sich etwas ändern muss. Und habe deshalb viel zu lange einfach mitgemacht, statt am Ruder zu sitzen.

In meinen Freundschaften allerdings konnte ich immer schon wunderbar kommunizieren – besonders über Gefühlsdinge. Stundenlang saß ich mit meiner besten Freundin im Auto, hörte Gisbert zu Knyphausen oder Wir sind Helden und sinnierte mit ihr über Liebe, Freundschaft und Gefühle. Als wäre es das Leichteste der Welt. In der Liebe aber, war die Hürde, meine Gefühle zu verbalisieren, dann doch oft zu groß.

So groß, dass sicher die ein oder andere Liebschaft daran scheiterte.

Kommunikation braucht Übung. Und ich habe zum Glück durch viele Gelegenheiten genau diese Übung bekommen. Hatte Sparringspartner, die mal mehr, mal weniger begabt darin waren, ihre Gefühle zu thematisieren und verbrachte eigentlich meine gesamten 20er mit der Selbstfindung.

Rückblickend war das das Beste, das mir passieren konnte, denn als ich vor 3 Jahren meinen jetzigen Freund kennenlernte, war ich kommunikativ in Bestform. Und zum ersten Mal in meinem Leben vergraulte ich den Mann nicht mit meinem ausgeprägten Kommunikationsbedürfnis. Er betont zwar heute noch, dass er zu Beginn komplett damit überfordert war, wie offen und klar ich meine Gefühle kommunizieren konnte und vor allem wollte, aber er hat sich darauf eingelassen, gelernt und heute können wir selbst bei komplexen Themen offen und ehrlich unsere Gefühle äußern.

Und soll ich Euch was sagen? Wäre dem nicht so, bin ich der festen Überzeugung, dass wir es nicht über die 6-Monats-Grenze hinausgeschafft hätten.

Denn da fing es an, dass aus der rosaroten Brille langsam aber sicher ein Gleitsichtmodell wurde und sich die süßen Macken des anderen in störende Reizthemen verwandelten. Und das ist ja auch kein Wunder. Bis heute halte ich Paarbeziehungen für das größte Weltwunder überhaupt, wenn man bedenkt, dass da zwei völlig unterschiedliche Personen, mit eigenen Bedürfnissen, Erfahrungen und Wünschen aufeinandertreffen und fortan versuchen bei allem einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das fängt bei der Wahl des Restaurants an und hört bei der Altersvorsorge auf.

Wie zur Hölle soll das auch gut gehen, wenn man nicht miteinander redet?

Um Missverständnisse zu vermeiden, Probleme zu lösen und Unterstützung zu leisten. Es führt einfach kein Weg an der Kommunikation vorbei. Ich kenne Paare, bei denen werden Probleme einfach totgeschwiegen – und nach einer gewissen Zeit geraten sie in Vergessenheit. Das kann natürlich funktionieren, schließlich finde ich, dass jedes Paar seine eigenen Regeln macht und was funktioniert, darf auch sein. Aber: Wenn man nicht mit seinem Lebenspartner reden kann, mit wem dann? Man muss ja nicht bei allem derselben Meinung sein (bloß nicht) und für manche Themen ist die Freundin einfach der bessere Ratgeber, aber wenn es um das Leben in der Beziehung geht, dann sollte die Kommunikation darüber, auch in der Beziehung stattfinden. Redet und diskutiert bis Ihr müde seid, werdet emotional, aber bleibt fair! Kommunikation will gelernt sein und lernen kann man nur durch Wiederholung.

Eine der wichtigsten Regeln dabei ist für mich: Zuhören und aushalten.

Ich finde, es gibt kaum etwas Schlimmeres, als wenn sich eine Person der Diskussion entzieht und beim Streit z.B. aus dem Zimmer geht. Das ist respektlos, verletzend und unfair. In meiner Vergangenheit habe ich diese feige Methode, einer unangenehmen Situation zu entfliehen, zur Genüge erlebt. Und was hat mir das gespiegelt? Dass ich alleine mit dem bin, was mich beschäftigt. Schließlich hat mich die Person damit buchstäblich alleine gelassen.

Heute bleibe ich im Raum, auch wenn ich das, was mein Freund mir sagt, eigentlich nicht hören will. Und dann bleiben wir da, bis wir eine Lösung oder zumindest eine Gangart gefunden haben, mit der beide leben können. Denn genau das ist es doch, worum es in einer Beziehung geht: Wir sind nicht alleine, die Probleme sind gemeinsame Probleme und ob wir wollen oder nicht, sitzen wir im selben Boot. Außer wir wollen eigentlich gar nicht – und selbst dann bringt eine offene Kommunikation Klarheit.

Wir müssen den anderen nicht immer verstehen, wir müssen auch nicht um des lieben Friedens Willen die Schuld bei uns suche. Aber, was wir müssen, ist dabei zu bleiben. Nicht aufgeben. Fair sein und nicht verletzen. Kompromisse machen. Uns an die eigene Nase fassen – und reden.

Solange es nämlich keine App gibt, mit der wir die Gedanken unseres Partners lesen und zweifelsfrei übersetzen können, bleibt uns nur die Kommunikation.

Comments

  • 18. April 2019
    reply
    Maren

    Amen.

  • 18. April 2019
    reply
    Yanna

    Wow, toller Artikel und spannendes Thema! Genau dieses Problem kenne ich zu gut, mein Freund geht auch immer aus dem Zimmer oder der Wohnung beim Streit, und für mich ist das so schlimm, ich fühle mich, wie du sagst, komplett allein gelassen damit…
    Naja aber auch wir finden unsere Lösungen und sprechen dann später 😊
    Gerne mehr solche Themen ♥️

  • 18. April 2019
    reply
    Tanja

    Punktlandung.

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