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Frollein Herr

Ernährungstipps

Wer hätte zu Beginn meiner Kilokrise gedacht, dass sich diese Thema zu Eurem absoluten Liebling mausern würde? Ich jedenfalls nicht.

Als ich Euch vor über einem Jahr von meinen plötzlichen Gewichtsproblemen, den ersten Arztbesuchen und der Diagnose Insulinresistenz berichtete, hatte ich insgeheim ständig die Befürchtung, ich würde zu viel über Ernährung, Gewicht oder Abnehmen schreiben. Denn genau das möchte ich nicht. Ich bin kein Vorzeigemodell in Sachen Diät und das Thema Ernährung soll auf Frollein Herr nicht zu viel Platz einnehmen.

Einfach weil ich nicht möchte, dass hier irgendein Ideal thematisiert wird und ich definitiv keine Selbstzweifel schüren möchte.

Aber: Ich bekomme nach wie vor unfassbar viele Nachrichten von Euch, mit Fragen zu meiner eigenen Geschichte, Ernährungstipps oder meinem persönlichen Ernährungsmodell, dass ich mich heute doch noch einmal zum Thema Ernährung äußern möchte.

Heute soll es allerdings nicht ums Kalorienzählen gehen, sondern um fünf sehr allgemeine Tipps, die mir persönlich im letzten Jahr wahnsinnig geholfen haben und die ich an jeden von Euch weitergebe, sobald Ihr mich danach fragt. Das Thema Ernährung und Gewicht ist natürlich wahnsinnig individuell und bei jedem liegen andere Vorraussetzungen zugrunde. Trotzdem glaube ich, dass diese Erkenntnisse, die bei mir 10 Kilo haben purzeln lassen, auch für viele von Euch hilfreich sein können. Aber bitte vergesst dabei nie, dass es dabei nie um ein Ideal- sondern um ein Wohlfühlgewicht geht – und das kennt nur Ihr selbst.

1.Macht bloß keine Diät!

Ich habe es schon oft gesagt und ich sage es wieder: Diäten sind Bullshit!


Ich werde inzwischen regelrecht böse, wenn ich im Netz oder in Frauenmagazinen reißerische Headlines lese, die fünf Kilo weniger versprechen, wenn man irgendeine hanebüchene Regel à la “Iss nur Nachts” oder “Iss nur rote Lebensmittel” befolgt.

Wieso ich da böse werde? Weil alle Diäten eines gemeinsam haben: Sie sind zeitlich begrenzt. Ob man nun Kohl isst, Salat oder sich nach irgendeinem Mondzyklus ernährt – eine Ernährungsform, die darauf ausgelegt ist, schnell an Gewicht zu verlieren, ist ungesund, alles andere als nachhaltig und führt meistens zum bekannten Jojoeffekt. Bei einer Diät versuchen wir unseren Körper auszutricksen, statt mit ihm zusammenzuarbeiten und das halte ich für den allergrößten Fehler!

Ich habe von Anfang an immer wieder betont, dass ich keine Diät mache, ein bestimmtes Gewichtsziel verfolge oder meine Ernährung nur zeitweise verändert habe. Nein – ich habe meine Ernährung nachhaltig umgestellt und habe nicht vor, irgendwann wieder zu meinen alten Verhaltensweisen zurückzukehren. Weil es mir gut geht, so wie ich derzeit lebe, weil es gesund ist und es meinem Körper an rein gar nichts fehlt.

Was könnte eine bessere Voraussetzung für eine gesunde Ernährung sein als das?

Wer für einen bestimmten Anlass in sein Lieblingskleid passen möchte, ist mit ein wenig Verzicht sicherlich gut bedient. Wer allerdings grundlegend mit sich und seinem Essverhalten hadert, sollte nicht nur die Spitze des Eisbergs betrachten, sondern eine Ernährungsweise finden, die auch tatsächlich zum eigenen Leben und den Bedürfnissen passt. Und das ist bei jedem anders.

Hat man Kinder? Reist man viel? Arbeitet man im Schichtdienst? All das sind wichtige Faktoren, die bei einer Ernährungsumstellung beachtet werden müssen und am besten mit einem professionellen Berater zu einem individuellen Ernährungsplan zusammengefasst werden sollten.


2. Genussmittel sind keine Lebensmittel!

Während der ersten Wochen nach meiner Diagnose habe ich gefühlt jede Ernährungsdoku geschaut, die es auf Netflix zu sehen gibt. Ich war total lost und verzweifelt auf der Suche nach Hilfe, Tipps und Denkanstößen. Mein Fazit: Die meisten Dokus sind reißerischer Müll und wenn man nur genug sucht, ein paar Studien in Auftrag gibt und Experten heranzieht, kann man jedes, also wirklich jedes Lebensmittel verteufeln – ob nun Fleisch, Eier, Milch, Zucker oder was auch immer. Ein Satz aus einer der unzähligen Dokus aber, ist mir im Kopf geblieben:

Schokolade, Fertigprodukte, Fast Food & Co. sind keine Lebensmittel, sondern Genussmittel und das haben wir heutzutage schon fast vergessen!

Ich weiß nicht, ob Euch dieser Satz genauso erleuchtet, wie mich, aber ich finde den Unterschied wahnsinnig wichtig. Denn: Genauso wie Wein, Kaffee oder andere Genussmittel, sind Süßes & Co. nicht verboten, aber sie sollten niemals echte Lebensmittel ersetzen.

Wie Ihr wisst, LIEBE ich Pizza und könnte nie auf sie verzichten, aber im Gegensatz zu früher, esse ich sie jetzt nicht jeden zweiten Tag, sondern eben nur ein bis zwei Mal pro Woche. Und ich genieße sie im wahrsten Sinne des Wortes. Früher habe ich meinen Hunger schnell und unkompliziert mit Fast Food und Fertigprodukten gestillt – das war wenig anstrengend und einfach unfassbar praktisch. Aber mein Körper hat nach so einem Tag natürlich gefühlt null Nährstoffe erhalten und ging völlig leer aus.

Heute versuche ich eine gesunde Balance zwischen Lebens- und Genussmitteln zu finden. Süßkram, Ginger Ale und Pizza stehen immer noch auf dem Speiseplan, aber eher als Ausnahme. Eier, Hülsenfrüchte, Gemüse, Fleisch, Fisch & Co. hingegen sind meine Hauptnahrungsmittel und mein Körper ist happy.

Es muss also nicht komplett auf alles verzichtet werden, was schmeckt. Aber zu verinnerlichen, dass verarbeitete Produkte oft einfach keine echten LEBENSmittel mehr sind, kann helfen ein gesundes Verhältnis zum Essen zu entwickeln.

3. 5:2 macht das Ganze leichter!

Obwohl die 5:2 Regel wieder stark nach Frauenmagazin-Headline klingt, steckt hier ziemlich viel Wahrheit dahinter.

Es geht nämlich darum, dass es gar nicht unbedingt ratsam ist, sieben Tage in der Woche nach einem strengen Ernährungsmuster zu leben, sondern dass es dem Stoffwechsel (und dem Gemüt) durchaus gut tut, Abwechslung zu schaffen. Ganz nach dem Motto “Ausnahmen bestätigen die Regel”, wird fünf Tage regelkonform gegessen und zwei Tage gesündigt.

Bei mir funktioniert das perfekt, da ich mir die zwei Tage gerne am Wochenende nehme und die freien Tage so noch mehr genießen kann. Eingeleitet wird das Treat-Weekend bei mir bekanntlich mit der Pizza am Freitag und am Sonntag kehre ich dann langsam wieder zu meiner üblichen Routine zurück.

Das hat viele Vorteile: 1. Gewöhnt sich der Stoffwechsel so nicht an die geminderte Kalorienzufuhr und kann auch nicht so schnell wieder “einschlafen”. 2. Freue ich mich persönlich immer wahnsinnig aufs Wochenende und kann einfach genießen ohne nachzudenken. Das macht frei und glücklich!

4. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ja, dieser Tipp hängt definitiv mit dem vorherigen Punkt zusammen!

Denn: Egal wie strikt man nach einem Ernährungsplan lebt, es wird immer Ausnahmen geben. Urlaube, Krankheiten, berufliche oder private Termine – all das macht mir manchmal einen Strich durch die Rechnung und ich kann meine Mahlzeiten nicht so bestimmen, wie ich es gerne hätte.

Das macht aber nichts! Vergangene Woche im Skiurlaub habe ich sieben Tage durchgeschlemmt und Germknödel, Schnitzel und Sachertorte gegessen. Offiziell erlaubt ist das zwar nicht, aber es ist meiner Meinung nach auch völliger Unsinn sich das zu versagen. Was ist ein Urlaub in Österreich ohne diese Leckereien? Genau: öde. Und bevor ich mir meinen wohlverdienten Urlaub vermiese, breche ich meine Regeln und lasse los.

Klar, jetzt habe ich locker zwei Kilo mehr auf den Rippen, aber die sind in wenigen Tagen auch wieder weg, sobald ich mich wieder an meine “normale” Ernährung halte. Wichtig ist also zu verstehen, dass es nichts bringt, sich komplett zu verbiegen und in sozialen Situationen in Panik zu verfallen, weil man mal nicht so essen kann, wie man eigentlich sollte. Das führt nämlich nur zu Druck und im schlimmsten Fall zu einem Leidensdruck, der dann nicht mehr weit von einer Essstörung entfernt sein kann.

Das einzig Wichtige ist, dass man sich nicht selbst belügt und irgendwann mehr Ausnahme- als Regeltage da sind. Das ist aber jedem selbst überlassen und wenn man eine Ernährungsform gefunden hat, die wirklich zu einem passt, tut man das auch gar nicht erst. Man bekommt ja schließlich alles, was man braucht!

5. Hinterfragt Eure Emotionen!

Essen ist eine wahnsinnig persönliche Angelegenheit – und zwar nicht in Hinsicht auf Geschmack oder Vorlieben. Neben der reinen Nahrungsaufnahme gibt es hunderte Gründe, wieso wir essen, wie wir essen.

Die einen tun es aus Langeweile, die anderen aus Einsamkeit.

Ich persönlich esse aus einem Sicherheitsbedüfnis heraus. Als bekennender Kontrollfreak, bin ich immer besorgt, dass mir irgendetwas ungeplant dazwischen kommen könnte – ja, auch Hunger.

Deshalb esse ich vorsorglich immer zu viel, weil mir ein komplett voller Magen das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Ich werde nämlich unausstehlich, wenn ich Hunger habe, bekomme Kopfweh oder Kreislaufprobleme. Meine Lösung war deshalb jahrelang: Überall wo es Essen gibt zuschlagen und so dem Hunger vorbeugen. Clever, oder?

Irgendwie ja, irgendwie nein. Denn oft habe ich nicht mehr aus Appetit gegessen, sondern aus Zwang. Da schrie eine kleine Stimme in meinem Kopf: “Komm, das Stück schaffst du auch noch. Dann hälst du es locker bis zum Abendessen durch!”

Ein voller Magen symbolisiert für mich also Sicherheit. Manchmal aber, habe ich es wirklich übertrieben und lag irgendwann mit einem schmerzenden, kugelrunden Bauch auf der Couch und war so satt, dass mir schon schlecht war.

Ist das normal? Ich weiß ja nicht.

Als ich dann mit meiner Ernährungsumstellung anfing, musste ich mich erstmal an das Gefühl gewöhnen, satt zu sein, aber nie so satt, dass mir schlecht war. Das fiel mir anfangs sagenhaft schwer. Inzwischen aber, finde ich einen viel zu vollen Magen sogar unangenehm und fühle mich im Gegensatz zu früher viel sicherer, wenn ich konstant satt bin und nicht zwischen komatös vollgefressen und Zuckersturz pendle.

Ich habe also die Emotionen erkannt, die in meinem Fall mit Essen verbunden sind und sie ganz bewusst umgepolt. Das ist wahrscheinlich der allergrößte Unterschied zu früher, da ich Essen jetzt weniger emotional betrachte und mich viel freier und unabhängig fühle.

Ich bin mir sicher, dass es auch bei Euch die ein oder andere emotionale Verknüpfung zum Essen gibt, die es sich lohnt zu hinterfragen. Das muss ja nicht immer gleich eine krankhafte Seite haben, aber vielleicht lassen sich gewisse Bedürfnisse auch anders befriedigen.

Comments

  • 24. März 2019
    reply
    Nadie

    Punkt Nummer 5 wird viel zu oft vergessen, wenn man über seine Ernährung nachdenkt. Bei mir war/ist es der Käse, der stopft so schön und gleicht somit in schlechten Zeiten emotionale Leere und Ängste aus. Immer wieder gut sein Essverhalten auch in der Hinsicht zu hinterfragen.
    Sehr schöner Artikel.

  • 24. März 2019
    reply
    Sarah

    Liebe Karoline,
    wie schön, endlich mal ein völlig entspannter Artikel zum Thema Ernährung!! Ich werde auch häufiger gefragt, wie ich es denn schaffen würde, so schlank zu sein – ja ganz einfach, ich esse nur unverarbeitete Lebensmittel – Genussmittel höchstens mal zu besonderen Anlässen wie Geburtstage o.ä. . Viele Menschen sind sich dem Unterschied ( Lebensmittel vs. Genussmittel ) gar nicht bewusst… Meine Ernährungsweise beschreibt demnach das sogenannte “clean eating” , was mir aber in letzterer Zeit zu dogmatisch dargestellt wird, sodass ich diese Bezeichnung nicht mehr gerne verwende… Interessant ist auch dein letzter Punkt bezüglich Emotionen – ich bin nämlich davon überzeugt, dass Übergewicht / Überessen aus unbewusst ablaufenden Emotionen herrührt, die man für sich aufdecken sollte, um sie dann anders “kanalisieren” zu können.
    Ganz liebe Grüße, Sarah

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