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Frollein Herr

Sozialer Druck durch soziale Medien

Neid und Selbstzweifel sind grundlegende menschliche Emotionen und Reaktionen. Keiner ist stolz darauf, aber es gibt sie. War es früher das Mädchen in der Nachbarklasse, das die coole neue Jacke von H&M als Erste trug (dann konnte man sie sich ja schließlich auf keinen Fall mehr kaufen), sind es heute ganz andere Trigger, die uns neidisch werden oder sogar an uns selbst zweifeln lassen.

Wovon ich rede? Natürlich von Instagram & Co.

“Hast du gesehen, dass die schon wieder die neue Dior Tasche hat?”, “Ich will auch mal solche Reisen machen!” oder “Ich habe definitiv den falschen Beruf!” – Ja, Instagram kann einen ganz schön neidisch machen. Überall Designerstücke, die absurd schönsten Reiseziele und das Leben scheint bei den meisten eher aus Zuckerwatte, statt aus Problemen zu bestehen. Und wisst Ihr was? Davon nehme ich mich gar nicht aus. Schließlich präsentiere auch ich Euch tagtäglich meine neusten Errungenschaften, meine liebsten Looks und fotografiere alles im schönsten Licht.

Weil Instagram inzwischen einfach so funktioniert und weil die Realität schon lange keine Likes mehr bekommt.

Traurig, aber wahr – aber mit Schnappschüssen, wie noch vor ein paar Jahren, lässt sich als Blogger/Influencer leider keine müde Mark verdienen. Aber: Ist das wirklich das eigentliche Problem? Schließlich geben wir unser Herz doch alle lieber für ein hübsches Bild ab, statt für eines, das wir mal eben so mit einer Hand und verbundenen Augen selbst hätten schießen können, oder? Der springende Punkt in meinen Augen ist nicht die Tatsache, dass auf Instagram eine unrealistisch perfekte Welt propagiert wird, sondern, die Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Ich persönlich kann nämlich glücklicherweise behaupten, dass mich all die Perfektion nicht abschreckt oder neidisch macht, sondern mich anspornt. Weil ich das Ganze aus einer professionellen Perspektive betrachte. Sehe ich einen hübschen Account, frage ich mich nicht, was ich im Leben eigentlich falsch gemacht habe, sondern welche App da wohl benutzt wurde. Ich fühle mich motiviert meine Bilder, Texte oder Stories zu optimieren und besser in dem zu werden, was ich tue. Aber ich bin eben auch nicht der Otto Normalverbraucher, sondern bewege mich in genau dieser Bubble schon seit einiger Zeit und befeuere sie täglich selbst.

Wie aber sollen junge Mädchen wissen oder verstehen, dass es nicht normal ist, von Kopf bis Fuß mit Designerkleidern behangen zu sein und dass es besser ist, erstmal zu studieren oder eine Ausbildung zu machen, statt als Influencer durchzustarten? Wie soll jemand, der mit seinem Körper nicht zufrieden ist, sich tagtäglich perfekte Silhouetten ansehen und trotzdem abends noch genussvoll in seinen Burger beißen?

Um ganz ehrlich zu sein – ich weiß es auch nicht.

Was früher die Werbung war, ist heute Instagram. Nur dass wir viel, viel mehr Zeit in der App, als in jedem Magazin verbringen und es eben keine Supermodels sind, mit denen wir uns da vergleichen, sondern das angebliche Mädchen von nebenan. Selbstzweifel und Neid sind deshalb an der Tagesordnung und ich erlebe diese Hassliebe zu Instagram immer mehr in meinem nahen Umfeld. Freunde, die sich abmelden, die bewusst detoxen oder die, die sich selbst quälen, indem sie noch mehr Zeit auf den Accounts verbringen, die sie schlecht fühlen lassen. Für Außenstehende mag das bescheuert klingen, aber es ist real. Sehr real sogar.

Aber: Instagram ist Instagram ist Instagram – und wird sich aller Voraussicht nach nicht so schnell ändern, gerade weil wir eben jene Accounts am meisten pushen, die uns nicht die Realität vor Augen halten, sondern uns in eine perfekte Parallelwelt entführen.

Und nun? Was kann man also machen?

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass man seine Beziehung zu Instagram selbst steuern kann. Zumindest zu einem großen Teil. Deshalb folge ich nur Leuten, die mich interessieren, motivieren und inspirieren. Merke ich, dass ich anfange mich mit einer Person zu vergleichen und negative Gefühle aufkommen, entfolge ich ihr. Das klingt zwar einfacher gesagt, als getan, aber wenn man es runterbricht, ist es der einzige Weg.

Stellt Euch Euren Feed also so zusammen, dass Ihr gerne in die App schaut und vielleicht Anregungen und Inspiration für Euer eigenes Leben findet. Der wichtigste Punkt ist allerdings (und ich glaube ich habe ihn inzwischen so verinnerlicht, dass mich das Vergleichen mit anderen komplett kalt lässt):

Instagram ist nicht die Realität.

Schon mal von Facetune gehört? Da lassen sich nicht nur Pickel, Poren oder Dellen mit einem einzigen Fingerwischen wegretuschieren, sondern ganze Körperformen ins Gegenteil kehren. Licht, Szenerie, Filter und diverse Bildbearbeitungs-Apps machen aus einer Alltagssituation den perfekten Instagram-Shot. Glaubt mir, ich weiß wovon ich da rede. Hinter dem einen perfekten Bild stehen immer (!) hunderte furchtbare, auf denen man ein Doppelkinn hat, doof schaut oder irgendetwas zwischen den Zähen stecken hat.

Influencer sind verdammt nochmal auch Menschen. Klar, ich kenne auch die paar Girls, die in echt genauso perfekt aussehen, wie auf ihren Bildern, aber diese glücklichen Wesen gab es immer schon und sich mit denen zu vergleichen ist schlicht und einfach masochistisch. Die meisten allerdings gammeln tagsüber mit nem Dutt auf dem Kopf vorm Laptop rum und ziehen sich nur einmal schnell fürs Bild hübsch an. Genauso wie ich manchmal.

Die sozialen Medien haben für unsere Generation so unfassbar viel bewegt. Sie inspirieren und informieren Millionen Menschen Tag für Tag, lassen uns Gleichgesinnte auf der ganzen Welt finden und haben mir sogar eine neue Jobperspektive gegeben. Aber sie haben auch Schattenseiten – so wie alles auf dieser Welt. Manche sind gegen diese negativen Einflüsse immun, manche nehmen es sich zu Herzen. Das Einzige was man da meiner Meinung nach tun kann, ist aufzuklären und insbesondere Jugendliche und Kinder im Umgang mit den sozialen Medien zu schulen. Für jeden einzelnen gilt aber: Seid aufmerksam, hört in Euch rein, was genau es ist, dass Euch manchmal schlecht fühlen lässt und behaltet die Realität im Auge.

“Es ist nicht alles Gold, was glänzt!” war noch nie wahrer als im Zeitalter von Instagram, Facetune & Co.

 

Comments

  • 25. November 2018
    reply

    Ein sehr guter und wahrer Artikel!

  • 26. November 2018
    reply
    Julia

    Liebe Karo! Wie immer ein sehr toller Artikel! <3 Ich bin ganz deiner Meinung, dass man seine Beziehung zu Instagram selbst steuern kann .. ich folge mittlerweile auch keinen Menschen mehr, die mich mehr aufregen, als dass sie als Inspiration dienen 🙂
    Alles Liebe, Julia

  • 26. November 2018
    reply
    Katharina Happ

    Also ich liiiebe coole Bilder, aber ich finde, dass die nicht nur mit extremem Tuning und Abbilden des immergleichen Pseudoideals gelingen. Ich will die Realität von Mode und Beauty sehen, will hinter die Kulissen gucken, will einen eigenen Style sehen – gegen eine tolle Inszenierung und einen guten Fotografen spricht dabei nix. Schade, dass es das fast nicht gibt und ein Großteil der Influencer in Sachen gepushter und genormter Look mittlerweile die Magazine überholt haben. Dabei war der Gedanke von Blogs und Insta in diesem Themenbereich ja mal, Individualität jenseits der Hochglanztitel zu zeigen. Was für eine Wirkung das gerade auf Frauen hat, ist ungut. Und nicht nur für junge, wir werden ja alle durch Bilder beeinflusst. Ich für meinen Teil bin von den überoptimierten, immergleichen Pics gelangweilt, folge fast keinem klassischen Influencer, sondern zunehmend lieber Frauen, die dich in Sachen Nachhaltigkeit und Feminismus engagieren. Mode und Beauty guck ich mir bei Bedarf bevorzugt bei den Labels selbst, bei Stylisten, Models und Makeup-Artists an. Gerade in den Stories bekommt man da einen inspirirenderen Einblick, finde ich. Na und ein paar wenige Lieblingsblogs samt Instaaccounts hab ich natürlich auch 😍

    Liebe Grüße

  • 27. November 2018
    reply
    Katharina Happ

    Habe hier gestern einen ausführlichen Kommentar gepostet. Jetzt ist er weg und bei erneutem Posten (hatte ihn noch in der Zwischenablage) kam der Hinweis, dass dieser Text bereits gepostet sei. ???

  • 27. November 2018
    reply
    Katharina Happ

    Und jetzt ist er wieder da. Sehr seltsam – sorry fürs Mehrfachposten!!!

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