Image Alt

Frollein Herr

Comeback des Buffalo Boots

Vor ein paar Monaten rief mich eine Freundin aus Berlin aufgeregt an und fragte: “Ich habe gerade einen Hipster in Mitte gesehen, der Buffalos trägt. Bitte sag mir nicht, dass die wiederkommen.” Meine Antwort: “Ach Quatsch. Die hat er sicher in irgendeinem Vintage-Store gefunden. Keine Sorge.” Tja, was soll ich sagen – ich lag falsch. Sehr falsch.

Nur Wochen später verkündeten Onlineshops wie Asos & Co. das Comeback der 90’s-Treter und kurze Zeit drauf sprangen selbst High-Fashion-Stores wie farfetch.com auf den Zug auf. Aber damit noch nicht genug. Sie sind nicht nur zurück – sie bleiben auch noch. Gigi Hadid trägt sie und der Designer Junya Watanabe zeigte seine gesamte Herbst/Winter Kollektion mit Buffalos an den Füßen der Models. Wie Ihr ja wisst, bin ich Mode-Revivals gegenüber durchaus aufgeschlossen und probiere Trends wie Radlerhosen oder Mikro-Sonnenbrillen mehr als gerne aus. Irgendwo ist aber auch meine Grenze erreicht. Wieso? Weil der Buffalo Boot und ich eine Geschichte haben…

Irgendwo ist aber auch meine Grenze erreicht. Wieso? Weil der Buffalo Boot und ich eine Geschichte haben…

Es muss Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre gewesen sein, Klein-Karo in der Pubertät und besessen von Buffalos.

Es muss Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre gewesen sein, Klein-Karo in der Pubertät und besessen von Buffalos (ja, hier wurde der Markenname zum Produktnamen, so wie bei O.b. und Tempo). Nicht nur die Spice Girls hatten die Trend-Treter, sondern auch die coolen Mädels in den Klassen über mir. Also brauchte ich sie auch. Monatelang bettelte und flehte ich meine Eltern an mir auch so ein Paar zu kaufen (von meinem Taschengeld war das leider nicht möglich), aber die blieben hart. Und wieso? Nicht nur, weil sie im Gegensatz zu mir das ganz Offensichtliche erkannten (die Schuhe waren arschhässlich), sondern auch, weil die Plateauschuhe in Berlin damals einen nicht ganz so elternfreundlichen Beinamen hatten. Nämlich Nuttenschuhe!

Woran das lag? Naja, sagen wir mal so – die leichten Mädchen an der Oranienburger Straße hatten den Trend auch für sich entdeckt und stylten ihre Sneaker am liebsten zu Strapsen und Daunenjacke.

Woran das lag? Naja, sagen wir mal so – die leichten Mädchen an der Oranienburger Straße hatten den Trend auch für sich entdeckt und stylten ihre Sneaker am liebsten zu Strapsen und Daunenjacke. Gott bewahre also, dass Klein-Karo Schuhe mit einem solchen Namen bekommt. Eine sehr weise Entscheidung meiner Eltern, wie ich heute finde – damals aber, hat mir dieser Entschluss das Herz gebrochen. Denn eigentlich ließen mir meine Eltern immer freie Hand was meinen modischen Geschmack betraf – hier aber konnte ich nichts ausrichten. Ende der Geschichte.

Jetzt, gut 20 Jahre später sind sie wieder da.

Jetzt, gut 20 Jahre später sind sie wieder da. Und eigentlich sollte man meinen, dass das doch meine zweite Chance wäre. Aber auch bei aller Liebe zum Chunky-Sneakers-Trend und meiner modischen Offenheit, muss ich eingestehen, dass das ein Trend ist, den ich gerne mal auslasse. Nicht nur, weil ich inzwischen zur Einsicht gekommen bin, dass die Schuhe einfach nicht schön sind (das sind die Triple S von Balenciaga auch nicht unbedingt), sondern weil ich zur Zeit des Buffalo-Hypes schon ein denkendes und reflektierendes Wesen war.

 

Buffalos auf dem Runway

Buffalos auf dem Runway bei Watanabe (Bildquelle: Imaxtree)

Meist ist es doch so: Haben wir den Trend im Original schon mal mitgemacht (oder wie in meinem Fall, aus der Ferne beobachtet), können wir auf das Revival gut verzichten.

Meist ist es doch so: Haben wir den Trend im Original schon mal mitgemacht (oder wie in meinem Fall, aus der Ferne beobachtet), können wir auf das Revival gut verzichten. Für mich, 1988 geboren und deshalb für viele Mode-Phänomene der 90er noch zu jung um sie aktiv mitzumachen, sind Bauchtaschen oder Radlerhosen deshalb immer noch irgendwie “neu” und ich probiere mich gerne daran aus. Buffalos hingegen symbolisieren das wohl dunkelste Kapitel meiner modischen Vergangenheit.

Denn wäre es damals nach mir gegangen, hätte ich nicht nur die Buffalos bekommen, sondern dazu noch eine Polyesterhose von Pimkie, auf der am Steißbein ein “niedliches” Tribal aufgestickt war oder diverse weitere modische Totalausfälle. Ich schäme mich nicht, liebe und stehe zu allen Fails, die ich gemacht habe – habe aber inzwischen meinen Frieden mit dieser Ära gemacht. Ich war damals kein Raver und bin es heute nicht.

Dabei war auch dieses Comeback theoretisch nur eine Frage der Zeit. Kramen doch derzeit Designer und Street-Style-People alles aus der Versenkung hervor, was nicht Niet und nagelfest ist. Neben den Buffalos machten ja auch bereits die Samtanzüge von Juicy Couture wieder von sich reden und es bleibt spannend, was als nächstes kommt. “Anything goes” – heißt es schließlich schon seit einer ganzen Weile. Bei den Buffalos und mir goes aber leider nothing.

Bei den Buffalos und mir goes aber leider nothing.

 

Comments

  • 27. August 2018
    reply
    Alina

    Oh, jetzt würde ich zu gerne mal alte Fotos von dir sehen, ein Best Of der alten Zeiten sozusagen. Wenn du schon immer so experimentierfreudig warst und sich dein Style so entwickelt hat, wäre das bestimmt sehr interessant… 😀

  • 27. August 2018
    reply
    Julia

    Liebe Karo.. ich dachte auch, mich trifft der Schlag, als ich gesehen habe, dass die Buffalos zurück sind! Ich hatte damals (bin auch 1988 geboren) ein Paar und ich fühlte mich irrsinnig cool damit.. Aber das gehört definitiv der Vergangenheit an.. wie du sagst, wenn man den Trend im Original schon einmal mitgemacht hat, braucht man ihn kein zweites Mal 😉 Alles Liebe, Julia

Post a Comment