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Frollein Herr

Insulin-Trennkost

Eigentlich wollte ich das Thema Ernährung hier auf dem Blog ja nicht zu groß werden lassen. Aber mich haben so viele Nachrichten, Fragen und Erfahrungsberichte eurerseits erreicht und manche wollen sogar in meinen letzten Outfitposts gesehen haben, dass ich bereits abgenommen habe. Ich weiß zwar nicht, wie Ihr das erkennen könnt, aber Ihr habt recht. Die ersten 3 Kilo sind runter und ich dachte, es wäre an der Zeit für ein kleines Update zu meiner Ernährungsumstellung. So viel gleich mal vorweg: Es ist alles sehr viel weniger schlimm als erwartet.

So viel gleich mal vorweg: Es ist alles sehr viel weniger schlimm als erwartet.

Worum geht’s eigentlich?

Für alle, die bisher nur Bahnhof verstanden haben und sich fragen, was zur Hölle ich da eigentlich erzähle, gibt es hier nochmal die Facts. Seit nunmehr zwei Jahren nehme ich an Gewicht zu. Und das, obwohl ich mein ganzes Leben lang immer essen konnte, was ich wollte (mehr dazu hier). Generell habe ich mich an den zusätzlichen Kilos zu Beginn auch gar nicht so gestört, aber als es dann tatsächlich 10 wurden, fing ich an, der Sache auf den Grund zu gehen. Es folgten Tests und Untersuchungen, die allesamt ohne Befund blieben. Erst als mein Arzt und ich uns immer mehr mit der Möglichkeit befassten, dass meine Hormone dafür verantwortlich sein könnten, gelangten wir auf eine heiße Spur. Vor fast zwei Monaten bekam ich dann endlich die Diagnose, die alles erklärte: Ich habe eine Insulinresistenz, eine Vorstufe der Diabetes (mehr dazu hier) und musste meine Ernährung komplett umstellen.

Ich habe eine Insulinresistenz, eine Vorstufe der Diabetes und musste meine Ernährung komplett umstellen.

Der Status Quo

Seitdem ich nun die Diagnose bekommen habe, dass mein Blutzuckerspiegel gerne mal Achterbahn fährt, weil ich ihn mit Pizza, Pasta und Haribo einfach nicht zur Ruhe kommen lasse, war auch mein Ernährungsplan klar. Dazu muss ich sagen, dass die Insulin-Trennkost, nach er ich derzeit lebe, zum einen natürlich als Diät funktionieren kann, für Menschen wie mich, aber primär dazu dient, den Blutzuckerspiegel in den Griff zu bekommen. Deshalb ist das Abnehmen auch gar nicht mein primärer Fokus gewesen und ich habe mir auch keine Gedanken darum gemacht, wie schnell oder wieviel ich eigentlich abnehmen möchte.

Jetzt, nach einigen Wochen aber, merke ich den Unterschied aber schon und das nicht nur auf der Waage, sondern vor allem an meinem Klamotten.

Jetzt, nach einigen Wochen aber, merke ich den Unterschied aber schon und das nicht nur auf der Waage, sondern vor allem an meinem Klamotten. Der Bauch ist nicht mehr so aufgebläht wie früher, der Hosenbund spannt nicht mehr so sehr und gestern habe ich mich zum ersten Mal wieder an meine Lieblingshose gewagt (die einzige, die ich nicht in der Zwischenzeit entsorgt habe) und auch die passt wieder.

Ich möchte hier in keinster Weise als Ernährung-Guru auftreten oder Euch erzählen, wie oder was Ihr zu essen habt. Ich selbst lerne Ernährung gerade erst wie ein Kleinkind, da ich mich mein Leben lang von Chips, Pizza und Ginger Ale ernährt habe und noch nie (wirklich niemals) eine Nährwerttabelle gelesen habe. Deshalb gehts hier wirklich nur darum, Eure Fragen zu beantworten. Wie esse ich derzeit und wie geht es mir damit?

Deshalb gehts hier wirklich nur darum, Eure Fragen zu beantworten. Wie esse ich derzeit und wie geht es mir damit?

Insulin-Trennkost

Der Name meiner neuen Ernährungsweise klingt irgendwie nicht sonderlich sympathisch, wie ich finde. Bei Insulin muss ich automatisch an Spritzen denken. Klar, aller Anfang ist schwer und als ich die Anweisungen von meinem Arzt bekam, bin ich fast hintenüber gefallen. Wie – abends keine Kohlenhydrate? Was denn sonst? Brot, Nudeln, Pizza – alles was satt macht, war plötzlich tabu. Die ersten Abende ging es nach einem Salat dementsprechend hungrig und mit Bauchschmerzen ins Bett. Mein Bauch war einfach nicht an so viel Rohkost gewöhnt.

Mein Bauch war einfach nicht an so viel Rohkost gewöhnt.

Dann habe ich mich aber ein wenig intensiver damit befasst, was ich denn eigentlich essen darf/soll und habe jetzt eine Gangart für mich entwickelt, die wirklich gut funktioniert. Das Prinzip der Insulin-Trennkost ist eigentlich ganz einfach. Du darfst prinzipiell alles essen und auch genug davon, nur eben zu bestimmten Zeiten. Die Ernährung arbeitet dann sozusagen mit dem Körper zusammen und gibt ihn zu den Tageszeiten genau das, was er braucht.

Morgens soll ich laut Ernährungsplan möglichst viele Kohlenhydrate essen, um den Stoffwechsel in Schwung zu bringen und das Hirn schnell mit Energie zu versorgen. Deswegen gibt es da meist eine große Schüssel Müsli mit Leinsamen und Cashew-Milch. Dazu Saft und jede Menge Kaffee.

Die größte Veränderung ist wahrscheinlich zum einen der Fakt, dass meine üppigste Mahlzeit des Tages jetzt Mittags und nicht Abends statt findet und dass ich komplett auf meine geliebten Softdrinks verzichte. Statdessen presse ich mir immer eine halbe Zitrone ins Wasser. Mit ein bisschen Fantasie schmeckt das wie Sprite.

Mit ein bisschen Fantasie schmeckt das wie Sprite.

Mittags darf ich also richtig reinhauen, da die Muskelzellen tagsüber Kohlenhydrate am besten verwerten können. Also gibt es Pasta, Kartoffeln oder Reis so viel ich will. Dazu noch einen kleinen Salat oder ein bisschen Gemüse, fertig. Satt bin ich jetzt alle mal und würde neuerdings aber gerne ein Mittagsschläfchen/Verdauungsschlaf halten.

Abends kommt dann der schwerste Part. Statt Brotzeit oder Nudeln muss ich jetzt vor allem auf tierisches oder pflanzliches Eiweiß setzen. Aus dem einfachen Grund, dass der Körper nachts Fett verbrennt und der Insulinspiegel dazu niedrig sein muss. Ein hoher Blutzucker bremst nämlich die Fettverbrennung. Deshalb setze ich abends meistens auf Eier, Fisch, Gemüse und Fleisch. Im Grunde dürfte ich jeden Abend ein fettes Steak essen, mache ich aber natürlich nicht. Trotzdem erlaubt mir diese Ernährungsweise es auch essen zu gehen. Solange ich mich nicht für Käsespätzle entscheide, ist alles fine.

Solange ich mich nicht für Käsespätzle entscheide, ist alles fine.

Die wohl wichtigste Regel dieser Ernährung ist: Zwischen den Mahlzeiten müssen immer fünf Stunden liegen. Nur so kann der Insulinspiegel sich regulieren und wieder zur Ruhe kommen. Denn wenn der dauerhaft hoch ist, weil man hier und da nascht, gerät nicht nur der Stoffwechsel, sondern eben auch der Insulin-Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht und das ist im Grunde das, was mich hierhin gebracht hat.

 

Kein Mitleid für Karo

Immer wenn ich von meiner neuen Ernährung erzähle (was so ungefähr täglich ist, weil ich immer und überall dafür rechtfertigen muss, warum ich jetzt keinen Cocktail oder ein Stück Kuchen möchte), bekomme ich Mitleidsbekundungen und traurige Blicke zugeworfen. Aber: Es läuft eigentlich. Und ich war sicherlich der allergrößte Diät-Skeptiker auf dieser Erde. Nie, nie, niemals habe ich mir Gedanken darum gemacht, dass ich darauf achten sollte, was ich esse, da ich ja nicht zugenommen habe. Deshalb ist es mir wirklich wichtig zu sagen: Nur weil man nicht dick ist oder dick wird, heißt es noch lange nicht, dass man seinen Körper nicht trotzdem schlecht behandelt.

Nur weil man nicht dick ist oder dick wird, heißt es noch lange nicht, dass man seinen Körper nicht trotzdem schlecht behandelt.

Und trotzdem gibt es bei mir weiterhin Freitags Pizza Salami mit extra Salami und ein großes Glas Ginger Ale. Wenn ich mit Freunden essen bin oder auf einem Termin, dann versuche ich mich an meinen Plan zu halten, hasse mich aber auch nicht, wenn ich es nicht tue. Mit Alkohol wird es aber in der Tat ein wenig schwierig, da ein leichtes Abendessen wirklich keine Grundlage bietet. Da ich eh nicht sonderlich viel trinke, ist das bisher kein Problem gewesen, sollte aber mal eine Feierlichkeit anstehen, müsste ich definitiv von meinem Plan abweichen. Was ich außerdem bemerkt habe und ganz besonders interessant finde, ist, dass mein Bedürfnis nach Zucker mit der Zeit spürbar abgenommen hat. Anfangs saß ich noch Abend für Abend auf der Couch und habe sehnsüchtig an Schoki, Gummibärchen & Co. gedacht, aber inzwischen ist dieser Wunsch kleiner geworden. Wenn ich jetzt ein Stück Schokolade esse, fällt mir erst auf, wie unfassbar süß die eigentlich schmeckt. Also ändert sich nicht nur was in der Routine, sondern auch an der Wahrnehmung.

Ich habe neulich auf den Rat von Swantje hin, die neue Netflix-Doku “Explained” angesehen. Da geht es darum, wieso Diäten eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Nämlich weil es eben Diäten sind. Die Leute hoffen auf eine Wundermethode mit der sie möglichst leicht abnehmen und das wars dann. Das einzige aber, was auf lange Sicht Erfolg verspricht, ist eine Ernährungsumstellung. Es geht darum, eine Art der Ernährung zu finden, die für den eigenen Körper, den Lifestyle und die Bedürfnisse funktioniert. Nur dann kann man echt was verändern. Und genau das unterschreibe ich jetzt auch.

Ich mache keine Diät!

Ich mache keine Diät und die ganze Sache ist auch nicht zeitlich begrenzt, sondern der Weg, mit dem ich meinen Körper (hoffentlich) davor bewahren kann in ein paar jähren Diabetes zu bekommen. Ich denke das ist ähnlich wie bei einem Raucher (was ich übrigens auch bin – ein weiteres Laster, wie Ihr seht). Mir braucht niemand erzählen, dass Rauchen ungesund ist. Das weiß jeder Raucher – und zwar nicht erst seitdem es die lustigen Sammelbildchen auf den Verpackungen gibt . Aber erst die konkrete Angst, körperlichen Schaden zu nehmen, kann einen Kettenraucher meiner Meinung nach wirklich davon abhalten zur nächsten Zigarette zu greifen. Die hypothetische Aussicht bringt da wenig.

Die hypothetische Aussicht bringt da wenig.

Ich musste erst hören: “Frau Herr, wenn sie so weitermachen, bekommen Sie Diabetes!”, bevor ich mich mal hinterfragt habe. Deshalb brauche ich kein Mitleid und ich tue mir auch selbst nicht leid. Ich mache das jetzt, ziehe es durch und werde das schon irgendwie hinbekommen. Wahrscheinlich mal besser und mal schlechter, aber ich möchte mit meinem Körper als Team arbeiten. Und dazu gehört eben nicht nur der Körper und die Ernährung, sondern auch der Geist und mein Wohlbefinden. Sprich: Wenn ich Bock auf Pizza habe, gibt es Pizza. Nur eben nicht sieben Tage die Woche!

Wenn ich Bock auf Pizza habe, gibt es Pizza. Nur eben nicht sieben Tage die Woche!

 

Comments

  • 15. Juli 2018
    reply

    Sehr interessant und es stimmt. Man muss seine Ernährung umstellen. Das hat bei mir zuletzt mit Weight Watchers sehr gut funktioniert. Jetzt habe ich tatsächlich mit dem Rauchen aufgehört (macht mich richtig stolz!), aber habe dafür mehr genascht und irgendwie als falsche Belohnung viel zu ungesund gegessen. Das Ergebnis hängt jetzt auf meinen Hüften. Ich weiß ja was zu tun ist^^ So geht es jedenfalls nicht weiter, denn man merkt ja schon, dass es dem Körper mit zu viel und dem falschen Essen nicht ganz so gut geht. Zumindest, wenn man den Unterschied kennt.

  • 15. Juli 2018
    reply
    Alina

    Super schön zu hören, dass es dir deutlich besser mit der Ernährungsumstellung ergeht als du vorher befürchtet hast 🙂 ich habe vor drei Jahren ähnliches durchgemacht & meine Ernährung umstellen müssen. Ich kann dir versprechen, dass es immer mal besser & dann auch wieder etwas schlechter läuft, aber halte dich wirklich an dem Gedanken fest, dass dieses Auf & Ab okay ist!!! Ich habe mir das anfangs vorgenommen & habe mich dann doch fertig gemacht, als es 1, 2 Monate nicht ganz optimal lief. Ein Fehler. Wir sind halt alle nur Menschen (ich hasse das Sprichwort eigentlich, aber in diesem Fall passt es 😅)
    Liebe Grüße
    X

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