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Frollein Herr

I deserve Pizza after this

Freunde – das Geheimnis meiner Gewichtszunahme ist gelüftet. Ich habe Euch bereits hier und hier von meiner inzwischen zwei Jahre andauernden Reise erzählt, in der sich augenscheinlich zwar nicht viel an meinen Lebensumständen geändert hat, ich aber nach und nach insgesamt 9 Kilo zugenommen habe. Da ich eigentlich immer zu den Mädchen gehörte, die essen können was sie wollen ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen, war diese Tatsache für mich ungefähr so schwer zu begreifen wie eine dieser Formeln aus dem Mathe-Unterricht, in der Buchstaben, statt Zahlen vorkommen.

Da ich eigentlich immer zu den Mädchen gehörte, die essen können was sie wollen ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen, war diese Tatsache für mich ungefähr so schwer zu begreifen wie eine dieser Formeln aus dem Mathe-Unterricht, in der Buchstaben, statt Zahlen vorkommen.

Die ersten paar Kilos störten mich nicht wirklich. Als ich aber einen Großteil meiner Garderobe auf dem Flohmarkt verkaufen und mich zumindest hosentechnisch komplett neu einkleiden musste, fand ich die Sache nicht mehr ganz so spaßig. Weniger weil ich mich wahnsinnig unwohl mit den zusätzlichen Kilos fühlte, sondern vielmehr weil ich es schlicht und einfach nicht nachvollziehen konnte. War mein Stoffwechsel bisher sowas wie meine persönliche Superpower gewesen, die mir das leidige Thema Ernährung ziemlich leicht machte, schien es jetzt, als hätte ich diese Kraft über Nacht verloren.

Also fing ich an, der Sache auf den Grund zu gehen und begab mich bei Dr. Thomas Michael Platzer, einem Arzt für Allgemein-, Präventions- und Ernährungsmedizin, in Behandlung. Nach diversen Gesprächen und Untersuchungen kamen wir dann gemeinsam zu dem Schluss, dass wir uns doch mal meine Hormone genauer anschauen sollten. Denn die üblichen Diagnosen blieben ohne Befund. Gesagt getan und vor gut vier Wochen zapfte mir der Doktor dann gefühlte drei Liter Blut ab und schickte sie ins Labor. Bis dahin war ich eigentlich noch recht entspannt und hoffte auf ein Ergebnis à la “Mit ein paar Tabletten bekommen wir das schon wieder hin”.  Leider nein. Denn vor ein paar Wochen kam dann die Diagnose – und die war dann doch eher weniger erfreulich und gleichzeitig brachte die mich ziemlich schnell auf den Boden der Realität zurück. Ich habe eine Insulinresistenz. Der Vorstufe einer Diabetes. Und das Schlimmste daran: Ich bin irgendwie selbst schuld. Kommen wir aber erstmal zu den Fakten.

Ich habe eine Insulinresistenz. Der Vorstufe einer Diabetes. Und das Schlimmste daran: Ich bin irgendwie selbst schuld.

 

Was ist eine Insulinresistenz?

Einfach gesagt, bedeutet Insulinresistenz die mangelhafte Wirkung von Insulin an den Körperzellen und ist die Vorstufe einer Diabetes. Die Körperzellen werden also gegen das Hormon Insulin nach und nach immer mehr resistent, also unempfänglich und das bedeutet wiederum, dass das Insulin seine Aufgaben nicht mehr so verrichten kann, wie es das eigentlich soll. Insulin ist unter anderem dafür zuständig, dass die Zellen den Zucker aus dem Blut aufnehmen und daraus Energie gewinnen können. Außerdem verhindert es den zu starken Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen, weil eine zu hohe Zuckerkonzentration im Blut ziemlich gefährlich werden kann.

Und wieso bin ich selbst dran schuld? Ganz einfach. Das, was ich jahrelang für meine vermeintliche Superpower gehalten habe, nämlich den Fakt, dass ich Pizza, Burger & Co. ohne Reue essen kann, war nur bedingt eine Superpower.

Und wieso bin ich selbst dran schuld? Ganz einfach. Das, was ich jahrelang für meine vermeintliche Superpower gehalten habe, nämlich den Fakt, dass ich Pizza, Burger & Co. ohne Rehe essen kann, war nur bedingt eine Superpower. Klar, mein Körper hat sich nicht mit Übergewicht für die schlechte Ernährung an mir gerächt, trotzdem ist der jahrelange exzessive Zuckerkonsum nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Die Sugar-Highs haben meinen Insulinstoffwechsel derart durcheinander gebracht, dass meine Zellen inzwischen einfach nicht mehr wissen, wo hinten und vorne ist. Da mein Blutzucker dank Pizza & Co. insbesondere abends einfach zu hoch ist, kann mein Körper in der Nacht nicht seinen natürlichen Aufgaben, unter anderem der Verstoffwechselung von Fett nachkommen. Daher auch meine zusätzlichen Kilos. Rätsel gelöst.

Daher auch meine zusätzlichen Kilos. Rätsel gelöst.

 

Barbie wants Pizza

 

Kommen wir aber mal zur guten Nachricht. Die Vorstufe ist immerhin noch nicht the real thing – und jetzt liegt es an mir, es auch nicht so weit kommen zu lassen.

Kommen wir aber mal zur guten Nachricht. Die Vorstufe ist immerhin noch nicht the real thing – und jetzt liegt es an mir, es auch nicht so weit kommen zu lassen. Medikamente werden hier keine gegeben, die einzige Behandlungsmöglichkeit ist eine komplette Ernährungsumstellung (hier wäre jetzt dieser dramatische Ton aus den Instagram-Stories angesagt). Denn: Wer mich privat kennt oder mir schon länger folgt, weiß, dass ich alles andere als ein Foodie bin. Ich kann nicht kochen (okay, ich mache es einfach nur ungerne), habe noch nie in meinem Leben Kalorien gezählt und lese auch die Nährwertangaben auf der Rückseite meiner Lebensmittel nicht. Auf den Punkt gebracht: Ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich eigentlich so esse. Und das ist jetzt wohl die größte Umstellung für mich, denn: Ab jetzt heißt meine Ernährung Trennkost und zwar Insulin-Trennkost. Dabei werden Lebensmittel in verschiedene Gruppen kategorisiert: Kohlenhydrate, Eiweiße etc. Da all diese Bestandteile im Körper unterschiedliche Reaktionen auslösen, gilt es für mich jetzt diese durch meine Ernährung gezielt zu steuern.

Im Klartext bedeutet das: Morgens viele Kohlehydrate, mittags eine Mischung aus allem und abends no carbs at all. Wer jetzt denkt: “Naja, klingt doch gar nicht so schlimm.” Ich glaube ich muss mich nochmal wiederholen. No carbs. At all! Sprich: Kein Brot, keine Nudeln, keine Kartoffeln – also nichts was satt macht. Oder zumindest nichts was mich satt macht. Für gewöhnlich gibt es im Hause Herr abends nämlich Pizza, Nudeln oder Brot. Erst dann falle ich satt und zufrieden auf die Couch. Tja, so zufrieden ich dann auch war – mein Körper war da ganz anderer Meinung und war durch das Kohlenhydrate-Hoch so verwirrt, dass er seinen eigentlichen Aufgaben nicht nachgehen konnte.

 

Arielle Pizza

Pizza zum Frühstück

Jetzt macht auch der Titel dieses Artikels Sinn – denn: Gerichte wie Pizza sind in dieser Ernährungsweise (theoretisch) nur morgens erlaubt. Da kann es nämlich gar nicht genug Kohlehydrate geben. Nach der Nacht, einer für den Körper langen Fastenphase, wird der Körper durch ein ausgiebiges, kohlenhydrathaltiges Frühstück mit Glukose versorgt und hat schnell sehr viel Energie zur Verfügung. Blöd nur, dass ich überhaupt kein Frühstücker bin. In der Früh mag ich eigentlich nur ein, zwei Löffel Haferbrei oder Cornflakes, einen dreifachen Espresso und sonst nix. Laut Ernährungs-Handbuch sind morgens viel Brot, Marmelade, Honig, Müsli und sogar Croissants erlaubt. Aber das bekomme ich derzeit leider noch nicht runter. Also taste ich mich langsam mit einem gesüßten Müsli und Cashew-Milch ran, denn Kuhmilch ist morgens ebenfalls tabu.

Das neue Mittagessen verlangt mir zwar am wenigsten ab, da ich da im Grunde alles essen darf – also auch Nudeln & Co., allerdings sollte auch diese Mahlzeit nicht ausschließlich aus einer Gruppe kommen, sondern ebenfalls Eiweiß oder Gemüse beinhalten. Aber: Ich bin aufgrund meines Jobs viel unterwegs, hetze tagsüber manchmal nur von A nach B und habe wenig Zeit um in Ruhe und vor allem so ausgiebig zu essen, dass es mir für den Rest des Tages reicht (abends kommt schließlich nicht mehr viel Sättigendes). Das wäre also die nächste Umstellung. Derzeit hole ich mir meist unterwegs irgendwo ein belegtes Sandwich, das ich entweder im Gehen oder am Schreibtisch esse. Jetzt muss ich mir eine richtige Mittagspause erteilen, in der ich ausgewogen und vor allem üppig genug esse.

Kommen wir aber zum schwierigsten Teil des Ganzen: dem Abendessen.

Kommen wir aber zum schwierigsten Teil des Ganzen: dem Abendessen. Als ich das erste Mal nach meinem neuen Ernährungsplan einkaufen ging, irrte ich circa eine Stunde durch den Supermarkt, weil ich einfach nichts gefunden habe, was keine Kohlehydrate enthält. Obst? Nope. Vielleicht Pumpernickel? Nein. Selbst viele Gemüsesorten enthalten Kohlehydrate. Wie zur Hölle soll ich da satt werden? Was immer geht sind tierische Eiweißquellen wie Fisch oder Fleisch, Salat und Eier oder kohlenhydratarmes Gemüse. Also gibts bei mir derzeit meist Salat mit Hühnerbrust oder Lachs. Abwechslungsreich ist das allerdings nicht.

Dazu kommt noch, dass Zwischenmahlzeiten absolut tabu sind, weil jede noch so kleine Mahlzeit den Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt und das Ziel meiner Ernährung schließlich sein soll, den endlich mal zur Ruhe kommen zu lassen. Zwischen den Mahlzeiten müssen immer mindestens fünf Stunden liegen. Chips auf dem Sofa? Tabu. Ein Stück Kuchen zum Kaffee? No. Selbst Nüsse oder ein Stück Schoki sind streng genommen verboten. Was mir allerdings noch schwerer fällt, als alles andere: Cola, Sprite oder Ginger Ale, als zuckerhaltige Getränke müssen wohl ebenfalls nach und nach von meinem Speiseplan weichen. Dazu müsst Ihr wissen, dass ich absolut süchtig nach Softdrinks bin. Ich trinke über den Tag verteilt zwar auch sehr viel Wasser, zu den Mahlzeiten aber nur gesüßte Drinks. Und gerade da verstecken sich die bösen bösen Carbs besonders gerne.

Und nun?

Ich bin ganz ehrlich mit Euch. Ich finds ziemlich bescheiden. In Sachen Ernährung ist Verzicht für mich ein Fremdwort und ich muss mir erstmal nach und nach grundsätzliches Wissen über Nahrungsmittel, deren Inhaltsstoffe und die Abläufe im Körper machen. Denn: Theoretisch muss ich das jetzt nicht nur für eine bestimmte Zeit, sondern mein ganzes Leben lang so machen, auch wenn das noch ein wenig in den Sternen steht. Je nachdem wie mein Körper auf die neue Ernährung anspringt und wie sich meine Insulinwerte entwickeln, ist es im Bereich des Möglichen, dass ich irgendwann die ein oder andere Regel etwas lockerer angehen lassen kann. Aber: Ich habe wirklich keine Lust auf Diabetes. Und noch weniger habe ich Lust darauf, zu wissen, dass ich es hätte verhindern können.

Ich habe wirklich keine Lust auf Diabetes. Und noch weniger habe ich Lust darauf, zu wissen, dass ich es hätte verhindern können.

Deshalb muss ich da jetzt wohl oder übel durch. Was ich mir allerdings trotzdem gleich von Beginn an gesagt habe: Cheaten ist erlaubt. Einmal die Woche wird es weiterhin Pizza geben und wenn ich auf einer Pressereise, einem Abendessen mit Freunden oder in sonst irgendeiner sozialen Situation bin, die ich nicht komplett steuern kann, werde ich nicht diejenige am Tisch sein, die tausend Extrawünsche hat. Eine dauerhafte Umstellung der Ernährung muss auch immer umsetzbar sein und mein Leben besteht nun mal aus vielen Dinnern und Terminen, bei denen spät und viel gegessen wird. Und ich werde mich jetzt ganz sicher nicht sozial abschotten, weil mein Ernährungsplan das nicht erlaubt.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreibe, weil ich das Thema “Diät” eigentlich nicht als Teil von Frollein Herr verstehe.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreibe, weil ich das Thema “Diät” eigentlich nicht als Teil von Frollein Herr verstehe. Aber ich habe durch meine vorangegangenen Artikel die Tür dazu aufgemacht und dann muss man auch durchgehen, finde ich. Trotzdem werdet Ihr jetzt nicht wöchentliche Updates zu diesem Thema bekommen – wer allerdings Interesse an der Thematik oder vielleicht selbst mit dem Thema zu kämpfen hat, ist herzlich dazu eingeladen sich bei mir zu melden. Ein paar Leidensgenossinnen zu finden wäre schön.

Das Wissen und Tipps zum Thema Insulin-Trennkost habe ich übrigens aus dem Buch “Schlank im Schlaf”. Denn im Prinzip fußt dieses Ernährungsprinzip auf der Annahme, dass der Schlaf die längste Fettverbrennungsphase ist und durch das gezielte Essen von bestimmten Lebensmitteln so optimieren lässt, dass man “wie im Schlaf abnimmt”. Ob das stimmt, weiß ich noch nicht. Und im Grunde gehts mir darum auch nicht. Ich möchte einfach, dass mein Körper wieder in der Lage ist, das zu tun, was ein 30-Jahre alter Körper so tut. Und ich versuche ihn bestmöglich dabei zu unterstützen.

Ich möchte einfach, dass mein Körper wieder in der Lage ist, das zu tun, was ein 30-Jahre alter Körper so tut. Und ich versuche ihn bestmöglich dabei zu unterstützen.

 

 

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Comments

  • 10. Juni 2018
    reply

    Hallo meine Liebe, Du MUSST Dich jetzt so ernähren, wie ich mich gern ernähre 😊 Soll ich Dir unter die Arme greifen? Lass uns gern mal sprechen und ich stelle Dir ein paar leckere, einfache Gerichte für sbends zusammen…was meinst Du?

  • 10. Juni 2018
    reply
    Klaudia

    Same here! Ich bin früher immer dünnste gewesen und konnte ebenfalls essen, was ich wollte: Pizza, Burger, Tortenstücke so groß wie mein Kühlschrank 😂 Leider sind auch meine Hosen immer enger und enger geworden. No Carb Diäten sind der blanke Horror gewesen, wenn es gut lief konnte ich 4 Wichen durchhalten, in der Regel gehörte das Thema Verzicht auf Pizza, Pasta & Amore (alle anderen Carbs) schnell der Vergangenheit an. Ich habe mir vor ca. 3Wochen Blut abnehmen lassen, weil auch in der letzen Diät sich nach drei Monaten (Wunder geschehen immer wieder) nur drei kleine Kilos verabschiedet haben. Jetzt wissen wir: Insulinresistenz! Ich fühle mit dir!

  • 18. August 2018
    reply
    Christin

    Hallo Karoline, ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen, weil ich vor Kurzem auch die Diagnose Insulinresistenz bekommen habe. Im Moment bin ich total verunsichert, was ich essen darf und was nicht, da meine Ärztin nur meinte, dass ich abnehmen soll. Wie das am Besten geht, hat sie leider nicht gesagt. Ich habe bisher meine Kalorienzufuhr drastisch reduziert und esse viel Ouark, Obst und Eier. Gemüse ist nicht so meins aber da taste ich mich ran.

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